
Zugegeben, statistische Werte sind mit Vorsicht zu genießen – das Bonmot „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, kommt nicht von ungefähr. Indes führen wir in Deutschland seit vielen Jahrzehnten eine penible Neubaustatistik und zählen überdies in Bestandsaufnahmen immer wieder auch die Altsubstanz durch.
Folgendes Zahlenwerk kann also nicht gar so weit daneben liegen: Wir haben einen Gebäudegesamtbestand von 34 Millionen Wohneinheiten (WE). Bei einer Nutzfläche von 85 Quadratmetern je WE entspricht das einer Gesamtwohnfläche von knapp 3 Milliarden Quadratmetern. Rund 29 Millionen WE, also klar die Überzahl, befinden sich in Gebäuden, die vor 1979 gebaut wurden und allein deshalb als vordringlich energetisch sanierungsbedürftig einzustufen sind. Angesichts des Tamtam, das hierüber immer wieder gemacht wird, könnte man zwar glauben, dass in diesem Bereich inzwischen schon Wesentliches geleistet wurde. Dabei sind es aber gerade mal 5 Millionen WE, an denen Maßnahmen zur Energieeinsparung vorgenommen wurden – teilweise mit inzwischen gar nicht mehr zeitgemäßen Basiswerten. Unterm Strich sind also noch 24 Millionen Wohneinheiten energetisch auf Vordermann zu bringen. Beim derzeitigen jährlichen Sanierungsvolumen von 2,5 Prozent (600.000 WE) bedeutet das – rein statistisch natürlich – Arbeit für die nächsten 40 Jahre! Dabei ist zu bedenken, dass sich die ernst zu nehmende energetische Sanierung derzeit auf ein Drittel, also 200.000 Wohneinheiten beschränkt. Kein Zweifel, da scheint es noch lange hin, bis zu den erreichbaren Zielen in Richtung Energie und Emissionseinsminimierung…
Dabei müssten die Einsparmöglichkeiten eigentlich überzeugen: Im Altbaubestand liegt der durchschnittliche Heizenergiebedarf bezogen auf den Brennstoff Heizöl bei 25 Litern pro Quadratmetern. Auf der Berechnungsgrundlage von rund 2.100 Litern zu je 80 Cent ergeben sich für die statistische Wohnungseinheit Heizkosten von rund 1.700 Euro im Jahr. Das macht im gleichen Zeitraum 20 Euro pro Quadratmeter oder aber knapp 1,70 Euro je Quadratmeter im Monat – ergibt also monatliche Heizkosten von 141 Euro.
Bei einer Sanierung auf das Niveau der gültigen EnEV würden sich die statistischen Heizkostenwerte (Basis 7 l/m²a) auf rund 480 Euro pro Jahr und 40 Euro pro Monat reduzieren. Auf den Wohnungsgesamtbestand hochgerechnet, verbergen sich hinter diesen Zahlen 90 Millionen Tonnen CO2, die nicht in die Luft geblasen würden – dies jährlich! Ganz abgesehen vom wertvollen Rohstoff Öl, der uns länger erhalten bliebe und den es eh zu schade ist, zu verheizen. Nachfolgende Generationen werden wohl mit Unverständnis und auch Zorn auf die Prasser der „Ölzeit“ zurückschauen, die lebenswichtige Ressourcen zum Schaden der Umwelt einfach durch den Kamin gejagt haben.