Die Auswahl hängt auch von der Örtlichkeit ab
Feuchte Oberflächen auf WDVS-Putzen beschleunigen das Wachstum von Mikroorganismen. Besten Schutz bieten trockene Fassadenoberflächen. Man erreicht sie durch "hydrophobe" oder "hydrophile" Eigenschaften des Putzes, weshalb man über diese unterschiedlichen Funktionalitäten Bescheid wissen sollte.
In der Natur sucht man "Keimfreiheit" vergeblich. Algen und Pilze haben in Milliarden von Jahren das Ökosystem besetzt und buchstäblich jeden Kubikmeter Luftraum erobert, von wo aus sie ständig die Besiedelung neuer Flächen starten. Feuchtigkeit, Licht und ein Minimum an Substrat in Form von Verschmutzung reichen den "Selbstversorgern" aus, um sich explosionsartig zu vermehren. Der Mensch mit seinem Verlangen nach sauberen Putzfassaden ist in ihrer genetischen Programmierung nicht vorgesehen.
Über eine stetige Reduzierung der fungiziden und algiziden Wirkstoffe geht der Trend dahin, auf die auswaschbare "Chemiekeule" an Fassaden zu verzichten. Er wird unterstützt durch Putzsysteme, die dank spezieller Eigenschaften an der Oberfläche trocken bleiben. Dabei verfolgen die Hersteller zwei gegensätzliche Strategien: das hydrophobe ("Wasser abstoßend") und hydrophile ("Wasser aufnehmend") Wirkprinzip.
Die hydrophobe Ausrüstung der äußeren Putzzone mittels Zusatzstoffen oder Anstrich verhindert oder reduziert das Eindringen von Wasser in die Poren und Kapillare. Unterstützt durch eine intensive Tropfenbildung perlt das auf der Putzfläche sich konzentrierende Wasser rasch an der Fassade ab. Allerdings nimmt die hydrophobe Wirkung im Laufe der Jahre kontinuierlich ab. Dann wird eine Nachbehandlung - in diesem Falle durch Beschichtung der Putzflächen - erforderlich. Die Wirksamkeit der hydrophoben Putzen wird durch einen weiteren Aspekt eingeschränkt: Es ist durch Untersuchungen belegt, dass Putze übers Jahr viel intensiver durch filmartig ausfallendes Tauwasser mit Feuchtigkeit belastet werden, als durch den direkten, aber viel selteneren Lastfall Regen.
Prüfung der Fassadenumgebung entscheidend
Dickschichtigere hydrophile Putzsysteme setzen dagegen auf das rasche Eindringen von Oberflächenwasser gleichsam "unter die Haut". Dadurch bleibt die gefährdete Außenseite weitgehend trocken. Im Anstrich und/oder Deckputz wird die anfallende Feuchtigkeit zwischengespeichert, um dann kontinuierlich in Form von Wasserdampf über die Kapillare rückzutrocknen. Dafür muss zwingend von außen Wärmeenergie zufließen, was an häufig verschatteten Orten oder Bauteilen nicht immer gewährleistet ist. Wenn die Rücktrocknung aufgrund mangelnder Sonneneinstrahlung gefährdet ist, besteht bei WDVS-Fassaden mit hydrophilen Putzen die Gefahr von Frostschäden im Winter.
Letztlich haben beide Putzarten besondere Stärken und damit ihre Berechtigung. Hersteller wie SAKRET bieten deshalb beide Alternativen an. Die Entscheidung für die eine oder andere Variante muss der urteilssichere Fachmann nach genauer Prüfung der örtlichen Verhältnisse fällen.