Entscheider in der Industrie: SAKRET in Berlin

Große Bandbreite

Peter Aping vor der Baustelle des ehemaligen Hauses der Einheit, wo zahlreiche Produkte von SAKRET verarbeitet werden

Mit Peter Aping, dem Geschäftsführer der Sakret Trockenbaustoffe Europa GmbH & Co. KG, hat sich die BAUHANDWERK-Redaktion in Berlin auf der Baustelle des ehemaligen Hauses der Einheit getroffen, um über das Unternehmen in Zeiten der Wirtschaftskrise zu sprechen. Die anschließende Führung auf der Baustelle übernahm Bauleiter Uelver Sava von der Firma Figo aus Berlin.

Wie reagieren Sie auf die Wirtschaftskrise?

Bewusst unabhängig davon, was gegenwärtig an sich widersprechenden Prognosen und Spekulationen über den kurz- wie mittelfristigen Fortgang der Weltwirtschaftkrise kursiert. Fakt ist, dass 2009 in Deutschland die Wirtschaftsleistung als Folge dieser Krise um etwa 5 % schrumpfen wird. Das muss und wird für alle Gesellschafts- und Wirtschaftsbereiche weitreichende Folgen haben –somit natürlich auch für die Bauwirtschaft mit ihren 1,5 Millionen Beschäftigten.

Aber – und das bestimmt den Unterschied zu Branchen wie den Anlagen- oder Automobilbau – die Bauwirtschaft stand in den letzten anderthalb Dekaden unter einem unablässigen Anpassungs- und Bereinigungsdruck. Unter dem sie sich unter anderem sukzessive von der Vorstellung verabschieden musste, dass irgendwann in Deutschland die Neubautätigkeit wieder der Marktfaktor Nr. 1 in der Bauwirtschaft sein könnte.

Salopp gesagt, die Baubranche ist quasi von Haus aus krisengewohnt. Jetzt also die Finanzkrise. Wenn man dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie folgen will, trifft sie die Branche 2010. Denn zur Zeit gibt es ja noch Auftragspolster; auch durch die von der Bundesregierung angeschobenen Investitions- und Infrastrukturmaßnahmen.

Nur lenken hier die staatlichen Investitionen eher vom eigentlichen Geschehen im Immobilienmarkt ab. Für jeden, der sehen will, ist seit Jahren ein bestimmter Trend wirksam. In der Masse gilt: Deutschland ist gebaut. Das aber ist – genaues Hinsehen vorausgesetzt – zuallererst eine quantitative Feststellung. Ein Beispiel: Der weitaus größte Teil der Bestandsbauten wie Altbauten ist im Zeitraum zwischen 1950 bis 1990 gebaut; hat also noch lange nicht seine Lebensdauer- bzw. Gebrauchsfähigkeitsgrenze erreicht.

Vergleich Bauablauf: Neu- zu Altbau

Aber eine Mehrzahl dieser Gebäude entspricht nicht mehr den heutigen Ansprüchen, weder bau-physikalisch, baukonstruktiv noch in seinen Nutzungseigenschaften – „barrierefreies Wohnen“ ist ein typisches Stichwort dafür. Diese Verschiebungen des Marktes in seinen Nachfragestrukturen hat SAKRET schon lange bemerkt und dabei in der Marktbearbeitungs- wie in der Zielgruppen-strategie ihre Konsequenzen gezogen. Um auf den Kern der Frage zu kommen, wie wir mit der Krise umgehen: Wenn Umbau, Ersatzbau, Modernisierung, Anpassung und Sanierung die beherrschenden Themen im Markt werden, können wir als der führende Werktrockenmörtel-Spezialist dazu viel beitragen. Unsere Zukunftssicherung und Krisenstrategie ist also, dem Markt das zu geben, was er braucht, und nicht zu lamentieren, dass dies etwas anderes ist als früher.

Reduzieren Sie einfach nur Kosten, oder bearbeiten Sie aktiv den Markt?

Es ist immer ein gutes kaufmännisches Prinzip, ein Unternehmen „kostenbewusst“ zu führen. Allerdings nicht erst dann, wenn die Krise unausweichlich da ist. Ansonsten gilt das vorhin Gesagte, nämlich dass SAKRET vergleichsweise früh auf die Umbrüche des Marktes reagiert hat. Vor allem in ihrem Verhältnis zu dem wichtigsten Marktpartner, dem Bauhandwerk. Das wiederum liegt einfach in der Natur der SAKRET Produkte: Sie sind Halbzeuge und Vorprodukte. Das heißt: Erst der verarbeitete Quadratmeter an der Wand, der Decke oder dem Boden sagt etwas aus über die tatsächliche Wertschöpfung eines Produktes oder Produktsystems. Das macht das qualifizierte Bauhandwerk zur vorrangigen Zielgruppe von SAKRET.

Deshalb hat SAKRET in 2007 die „Einer-muss-es-können“-Kampagne gestartet, die – ein Novum der Branche – nicht die Leistungen des Baustoffherstellers SAKRET in den Vordergrund stellt, sondern die Leistungen des Bauhandwerkes als die eigentlichen Macher von Bauwerken. Und unter dem Vorzeichen des “Bauens im Bestand“ gewinnt das Bauhandwerk zusätzlich an Bedeutung. Mit der Marktverschiebung der Bautätigkeit in Richtung Sanieren, Modernisieren und Erneuern verändern sich die Bauabläufe und auch die Rollenverteilungen zwischen den unmittelbaren Beteiligten – dem Bauherren, dem Planer und dem Bauhandwerk.

Entwicklung Bestandsbau Hochbau

Konkret: Das qualifizierte Bauhandwerk mit seinem baupraktischen Erfahrungs- und Umsetzungs-wissen wird mehr und mehr zum gleichberechtigten Partner in der Vorbereitung eines Objektes. Für uns Baustoffhersteller wiederum werden im Bestands- und Altbau die Auftragsgrößen kleinvolumiger und vielteiliger. Gleichzeitig steigt in der Objektabwicklung die Beratungs- und Abstimmungs-intensität stark an.

Dieses veränderte Markt- und Kundenverständnis ist für die SAKRET Gruppe natürlich kein Ziel, das per Managementbeschluss schon durchgängig praktizierte Realität ist. Sondern wir selbst sind in einem Umformungsprozess, da wir überzeugt davon sind, dass sich künftig Hersteller, Handel und Handwerk zusammen mit Architekt wie Fachplaner als Leistungsallianz verstehen müssen – ohne zu viele Partialinteressen und/oder Standesdünkel. Nur so kommen wir gegenüber dem Auftraggeber zu etwas, das sich zu Recht „Qualität am Bau“ nennen darf.

Mit welchen Maßnahmen erreichen Sie, dass Ihre Kunden – die ausführenden Bauhandwerker – auch in der Krise zu Ihnen halten?

Um nicht schon wieder das Bild von der „Krise als Chance“ zu strapazieren: Der Markt ändert sich substantiell; nun müssen auch seine Akteure „mitziehen“. Die Frage wird eher sein, inwieweit Bauen überhaupt – ob Neu- oder Bestandsbau – sich wieder stabil auf der Liste der erstrangigen Investitionen platzieren kann. Aus diesem realen Auftragsvolumen heraus gilt es dann gemeinsam dem Bauherren und Investor langfristige Produkt- und Bauqualität anzubieten. Diese Strategie ist ja auch – wenn ich das richtig sehe – die redaktionelle Intention Ihres Fachtitels „Bauhandwerk“ – der sich für ein verantwortungsvolles, selbstbewusstes und kooperationsfähiges Fachhandwerk stark macht.

Wie konsequent wir in unserer Strategie den Weg in Richtung Bauhandwerk gehen, zeigt Ihnen der neue Internetauftritt unter www.sakret.de. Auf den Online-Seiten findet der User einerseits alle wichtigen Informationen zum Unternehmen, den Systemen und den Produkten. Gleichzeitig wurde der Themenkreis um wichtige Fragen rund um das Bauhandwerk erweitert: wir haben damit einmal mehr die Perspektive deutlich in Richtung „Kunde“ gewechselt.

Peter Aping (Mitte) im Gespräch mit dem Bauleiter Uelver Sava von der Firma Figo (rechts) und Thomas Wieckhorst, Redakteur der BAUHANDWERK (links). Im Hintergrund das eingerüstete ehemalige Haus der Einheit in Berlin.

Das Informationsspektrum deckt die gesamte Geschäftstätigkeit des Handwerks ab. Es reicht von der Akquisition und Beratung über die technische Ausführung inklusive Objekt- und Baustellenmanagement bis hin zu den juristischen und finanziellen Belangen der Objektabwicklung und des eigenen Betriebes. Mit im Fokus stehen wichtige Neuerungen im beruflichen „Überbau“. Wir sind überhaupt davon überzeugt, dass „Kommunikation“ für die gesamt Bauwirtschaft die Schüsselqualifikation schlechthin ist. Denn jede Investition, Planung und Ausführung kann nur so gut sein, wie die Information, auf der sie beruht. Und die Komplexität am Bau nimmt sprunghaft zu: Veränderung der Bauprozesse, der Regelwerke, der Gewerkeordnungen, der Wirtschaftsräume usw. Deshalb sehen wir im effizienten Informationsaustausch zwischen den Baubeteiligten ein absolutes Erfolgkriterium. Und dies gilt sicher nicht nur für die angesprochenen Krisenzeiten.

Für welche Ihrer Produktgruppen/Produkte sehen Sie in Zeiten der Krise das größte Entwicklungspotenzial?

Auf die Gefahr mich zu wiederholen: Krise und reale Marktbedürfnisse sind nicht das gleiche, wenn auch die Auswirkungen einer Krise die Dringlichkeit und den Realisierungsgrad von Marktbedürfnissen mitbestimmen. Ansonsten liegt für SAKRET das größte Entwicklungspotenzial – nur scheinbar paradox – in ihrer Vergangenheit als Erfinder und Vermarkter der ersten europäischen Werktrockenmörtel. Das Bahnbrechende dieser Erfindung war, dass sie eine Produktkategorie nicht nur in ihrer Stoffzusammensetzung und den technischen Einzelmerkmalen verbessert hat, sondern gleichzeitig auch den Baustellenablauf komplett vereinfacht. Das brachte viele Vorteile mit sich – nämlich Zeit-, Leistungs- und Kostenvorteile. Und alle 3 Faktoren sind auch heute für den professionellen Verarbeiter der Maßstab für ein hervorragendes Produkt oder System. An dieser Wahrheit ändert keine Krise etwas. Aber: Durch die Fokussierung auf das Thema Bestandsbau – mit seiner eindeutig komplexeren Ausgangslage (Detailinfo: Herr Frössel) gegenüber dem Neubau – verändert sich für SAKRET das Pflichtenheft der Produktentwicklung ebenso wie das der Sortimentsgestaltung.

Im Ergebnis kann heute das Bauhandwerk wie der Planer für seine Aufgaben im Bestands- und Altbau bei SAKRET auf das umfassendste Werktrockenmörtel-Programm des Marktes zugreifen. Zu diesem Programm gehören einerseits die klassischen Grundbaustoffe wie Mauermörtel, Putzmörtel, Estriche und Fliesenkleber. Andererseits die Systembaustoffe für das Sanieren, Renovieren und Modernisieren von Mauerwerk, Fassaden, Balkonen bis hin zur Betoninstandsetzung von Infrastruktur-Bauwerken wie Brücken, Wasserbauwerke, Abwasser- und Kläranlagen etc.

Eine wesentliche Ursache für diese Bandbreite der angebotenen Lösungen ist das bundes- und europaweite Lizenznehmermodell der Marke SAKRET. Dessen dezentrale Produktions- und Lieferstruktur ermöglicht eine ausgeprägte Regionalisierung des Angebots, das gegebene Faktoren wie Immobilienstruktur, Architekturstil, spezifische Bautechniken oder Gesetzesvorgaben besonders gut berücksichtigen kann.

Dieses Interview wurde mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift "Bauhandwerk" veröffentlicht (Heft 11/2009).

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