Praxisorientierte Seminare beim Handwerk gefragt
Neue Trends: Handwerkliche Arbeit und Verlegestoffe entwickeln sich mit gestiegenen Anforderungen weiter
Fliesen aus Glas und großformatige Platten sind einige der aktuellen Branchentrends. Bei ihrer Verlegung ist besonders viel Sorgfalt gefragt. Wenn man nicht fachgerecht arbeitet, kann aber auch bei vermeintlichen Standardaufgaben Einiges schiefgehen. Um Fehler zu vermeiden, brauchen Fachhandwerker Erfahrung, und sie müssen sich kontinuierlich über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Was machbar ist und wo Verarbeitungsfallen lauern, zeigten die „Praxistage Fliese“ von SAKRET.
Weimar, Magdeburg, Nordhausen, Kassel und Frankfurt waren die Schauplätze der Seminare. Der Veranstalter begrüßte im eigenen Technikum in Nordhausen und an den anderen Veranstaltungsorten ausgesprochen rege Teilnehmer, die vor allem an einem interessiert waren: an echter Praxiserfahrung.
Hohe Qualität in den anspruchsvollsten Fliesensegmenten
Viele Kunden wünschen sich eine luxuriösere Optik. Entsprechend bringen die Hersteller immer größere Formate mit Kantenlängen auf den Markt, die noch vor einiger Zeit als nicht handhabbar galten. Zudem reduzieren sie auch die Fliesendicke so weit, wie es das Material gerade noch zulässt. Es gibt kaum einen Hersteller, der nicht Formate mit 150 cm Kantenlänge im Programm hat. Die Materialdicken liegen oft an der unteren Marke der „Normalmaße“ (8 bis 11 mm), manchmal noch tiefer.
Andererseits machen neue Herstellungstechniken die Bearbeitung der Platten gelegentlich auch leichter. Ein Beispiel dafür ist die extrem dünne Porzellankeramik, die als Laminat aufgebaut wird. Rückseitig ist eine Faserschicht aufgebracht, die die Biegesteifigkeit massiv erhöht. Diese manchmal auch als „keramische Tapeten“ bezeichneten Platten sind nur 3 mm dick, lassen sich aber leicht schneiden und sind vergleichsweise unempfindlich in der Handhabung. Ähnlich dünne Lösungen gibt es auch für den Boden. Mit ihren abriebfesten Oberflächen und ihrer extrem geringen Aufbauhöhe sind solche Fliesen und Platten besonders für den Sanierungsbereich sehr gut geeignet. Bei der Verarbeitung dieser Formate, sowohl an der Wand als auch auf dem Boden, sind die Anforderungen an die Ebenheit des Untergrunds über die Anforderungen der DIN 18202 hinaus stark erhöht. Ohne sorgfältige Ausgleichsspachtelung sind die materialspezifischen Anforderungen kaum zu erfüllen. Das es sich um neue Materialien handelt, muss die Verträglichkeit mit den eingesetzten Verlegewerkstoffen vorab getestet werden.
Besondere Anforderungen an Verlegematerial und Ausführung
Aber auch die Beschaffenheit der Großformate selbst bringt Ebenheitsprobleme mit sich. Herstellungsbedingt sind nach geltenden Regelwerken Maßtoleranzen zulässig, die auch bei einem perfekt ebenen Untergrund unvermeidlich zu Hohllagen oder Überzähnen führen würden. Die Verleger sind daher gut beraten, bei der Auswahl des Verlegeguts die Hersteller zu bevorzugen, die sich einen hohen Qualitätsanspruch auferlegen und die zulässigen Kantenverwölbungen ihrer Produkte nicht vollständig ausschöpfen. Diese unvermeidbaren Probleme sollten mit dem Auftraggeber schon in der Planungsphase besprochen werden, ohne sie zu dramatisieren.
Die Verlegung erfolgt nach den Vorgaben der Fachinformation „Großformatige keramische Fliesen und Platten“ des Fachverbandes Fliesen und Naturstein am besten mit durchlaufenden Fugen und nicht im Verband. In Kombination mit einer vollflächigen Benetzung der Plattenrückseite mit einem flexiblen Dünnbettmörtel wird eine verbesserte Kraftübertragung sichergestellt und das Risiko einer zu geringen Endhaftung minimiert. Bei der Verlegung von Großformaten im Dünnbettverfahren sind 12- bzw. 15-mm Zahnspachtel zu verwenden.
Ab einer Formatgröße von mehr als 0,25 m2 ist rückseitig eine Kratzspachtelung aufzutragen, um eine möglichst vollflächige Benetzung sicherzustellen. Dadurch steigt der Verbrauch an Dünnbettmörtel und der Untergrund erfährt eine Höherbeanspruchung durch Überschusswasser. Bei feuchtigkeitsempfindlichen Verlegeuntergründen sind daher Maßnahmen gefragt, die eine Schädigung des Untergrundes durch Quellverformungen verhindern. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, werden mögliche spätere Schäden schon zu einem sehr großen Teil ausgeschlossen.
Abgesehen von ihrer optischen Qualität sind die neuen dünnen Großformate besonders da geeignet, wo es auf geringe Aufbauhöhen und geringes Gewicht ankommt, also z. B. in Sanierungsobjekten, im Ladenbau oder auch bei der Auskleidung von Aufzügen.
Aus Schaden klug werden
Ein zweiter großer Themenblock war die Dokumentation und Analyse von ausgesuchten Schadensfällen. Daran lässt sich im Nachhinein sehr gut demonstrieren, worauf es bei der Verlegung von Fliesen und Platten ankommt. Die größte Gefahr liegt darin, jedes Projekt als Standardaufgabe zu betrachten, ohne im Vorfeld genau die spezifischen Anforderungen festzustellen. Die Liste der Faktoren, die zu Schäden führen können, ist fast unüberschaubar lang: die Beschaffenheit des Untergrunds, die Übertragung von Zwängungsspannungen aus der Unterkonstruktion in den Belag, besondere Umgebungsbedingungen oder die mechanische Belastung in der Nutzungsphase sind nur einige Beispiele.
Fazit: Starke Orientierung an der Praxis gefragt
Etwa 60 Teilnehmer pro Veranstaltungstag waren für SAKRET der Beweis, dass stark praxisorientierte Seminare beim Handwerk sehr gefragt sind. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Materialwelt bei Fliesen, Platten und Verlegestoffen ändert, die Entwicklung immer neuer Baukonstruktionen und ein großer Bestand an sanierungsbedürftigen Altbauten erfordern gerade beim Verarbeiter auch immer größeres Wissen. Das Konzept, neue Trends und ihre Folgen für die Verarbeitung aufzuzeigen und daneben den Blick auf ganz konkrete Fehlerquellen zu lenken, hat sich bei den Praxistagen jedenfalls bewährt.