Im Gespräch mit Peter Aping

DER MALER

DER MALER 8/2011

Herr Aping, zunächst herzlichen Glückwunsch zum 75. Firmenjubiläum. Dabei scheint die Ziffer 6 in der Jahreszahl eine besondere Rolle einzunehmen: 1936 (vor 75 Jahren) wurde in Amerika quasi der Werktrockenmörtel erfunden, 1966 (vor 45 Jahren) kam es in Deutschland dann zum Lizenznehmer-Import und 2006 (vor 5 Jahren) haben Sie die Geschäftsführung übernommen. Herr Aping, was war denn nun das Revolutionäre an der Mörtelqualität, die der US-Bauingenieur Arthur C. Avril im Jahre 1936 entwickelt hat?

Danke für die Glückwünsche, Herr Schmidt. Um auf Ihre Frage zu kommen: Das Jahr 1936 markiert einen echten Wendepunkt in der Entwicklung der mineralischen Baustoffe.

Bis dahin war es Praxis, dass Mörtel händisch als reine Baustellengemische aus Zement, Wasser und Zuschlagstoffen angesetzt wurden. Es gab weder eine Standardisierung oder Qualitätssicherung der Ausgangsstoffe, noch gab es allgemein gültige Festlegungen der Mischverhältnisse. Diesen bautechnisch kritischen Mangel einer überprüfbaren, definierten und konstanten Mörtelqualität hat Arthur C. Avril mit seiner Entwicklung des sogenannten Werktrockenmörtels endgültig überwunden.

Arthur C. Avril

Bauforscher sprechen gar von einer völlig neuen Dimension?

Allein schon die Idee, diesen neuartigen Mörtel in Säcken abzufüllen, bot enorme logistische Vorteile: einfache Lagerung, schneller Transport, sicheres und wirtschaftliches Arbeiten auf der Baustelle. Seine bahnbrechenden Eigenschaften passten zudem ideal zu den Fortschritten in der Baukonstruktion: dem Aufkommen des Mehrgeschossbaus, der Hochhausareale und des großflächigen Siedlungsbaus. Avril schloss damit eine kritische Verfahrenslücke zwischen dem Einsatz industriell gefertigter Wandbaustoffe - wie etwa Kalksand- und Porenbetonsteine - und einer zunehmend industriellen, montageähnlichen Baupraxis.

Wie würden Sie das Unternehmen heute skizzieren?

Produkt- und produktionstechnisch gesprochen ist Sakret eines der führenden europäischen Unternehmen bei den Werktrockenmörteln. Und wenn Sie unsere Marktposition in Deutschland betrachten, gehören wir zu den Ersten, die ihre Sortimentspolitik auf die marktbestimmende Realität des Bestandsbaus abgestimmt haben.

Als treibende Kraft bezeichnen Sie dabei den Verbund aus selbstständigen Unternehmern mit einer gemeinsamen europäischen Markenidentität. Mittlerweile sind es europaweit 33 Werke, die selbstständig und marktnah forschen, entwickeln und produzieren. Allein 13 Produktions- und Lieferwerke befinden sich in Deutschland. Geht dabei die Flexibilität des Gesamtunternehmens nicht verloren?

Im Gegenteil - keine Unternehmensform kann seine Kunden direkter und beweglicher bedienen als ein Lizenznehmerverbund. Sehen Sie, wir haben in Deutschland wie in Europa je nach Region sehr unterschiedliche Märkte und bauwirtschaftliche Aufgabenstellungen. Da ist der "Grüne Tisch" in einer marktfernen Zentrale kein gutes Instrument für den tagtäglichen Umgang mit den Kunden aus dem Handwerk und dem Fachhandel. Deshalb setzen wir auf starke Unternehmerpersönlichkeiten, die aus dem jeweiligen Markt kommen und deshalb wissen, wie bei ihnen die Bauwirklichkeit aussieht und "tickt".

Ist das dann die "konsequent regionale Organisation"?

Richtig, um es für Ihre Leser an einem Beispiel zu beschreiben: Normalerweise hat ein Hersteller ein fixes bundesweites Sortiment an Produkten, mit dem der Handwerkerkunde in seiner Arbeit zurechtkommen muss. Nun weiß jeder vom Fach wie sehr regionale Baustile und Bautechniken das Aufgabenprofil des Handwerks mitbestimmen. Oder wie oft der Bauherr und Auftraggeber für sein Objekt eine bestimmte Materialeinstellung und Ausführungstechnik wünscht. Auf solche Extras im Produktangebot kann SAKRET mit seiner regionalen Organisation und Produktion viel leichter reagieren als zentral gesteuerte Unternehmen.

Ihr Unternehmen trägt den Begriff "Europa" im Namen. Wo liegen denn heute die Vertriebsschwerpunkte und wo sind die "weißen Flecken", die in naher Zukunft noch verschwinden sollen?

Der Vertriebsschwerpunkt ist Osteuropa mit einem kontinuierlichen Bogenschlag von Nordost- bis Südosteuropa. Gleichzeitig zeigen unsere Marktanalysen, dass es im übrigen Europa genügend Ansatzpunkte für einen erfolgreichen Markteintritt gibt.

Im Jahre 2007 sind Sie im Zuge einer strategischen Neuausrichtung der SAKRET-Gruppe vom Sitz Wiesbaden nach Berlin umgezogen. Haben Sie die größere Nähe zu den wichtigsten osteuropäischen Wachstumsmärkten dadurch realisieren können?

Nein, die geograpische Nähe war nicht entscheiden. Aber als Angelpunkt und Drehscheibe bietet eine Bundeshauptstadt Berlin ganz andere bau- wie wirtschaftspolitische Möglichkeiten - und dies eben nicht nur für die osteuropäischen Märkte.

Welche Rolle spielt dabei der Baustoff-Fachhandel?

SAKRET bedient seinen Markt und seine Kunden über den zweistufigen Vertrieb. Wenn Sie hinzurechnen, dass das Bauhandwerk an die 65 % des Materialeinkaufs über den Fachhandel abwickelt, wird seine zentrale Bedeutung für SAKRET klar ersichtlich.

Peter Aping

Fast hätte ich es vergessen. Sie sind jetzt 5 Jahre SAKRET-Geschäftsführer. Welches war dabei Ihre größte Herausforderung bzw. was wollen Sie in einer Dekade noch unbedingt umgesetzt haben?

Die größte und sicher schönste Herausforderung bleibt weiterhin die Profilierung der Marke. Daraus ergeben sich alle weiteren Managementaufgaben: die europäische Expansion, die Marktorientierung in der Produktentwicklung, das bessere Verständis für die Rollen unserer Partner aus dem Handwerk und dem Handel. Und wenn Sie 2020 ansprechen: Bis dahin soll SAKRET die führende europäische Marke für Werktrockenmörtel sein.

Wie muss man sich eigentlich heute Ihr Produktportfolio vorstellen?

Im Mittelpunkt des Sakret Produktportfolios steht der Hochbau mit unseren Sortimenten für den Mauerwerksbau, die Putzsysteme, die WDV-Systeme und die Betoninstandsetzung. Weitere Schwerpunkte sind die Belags- und Verlegesortimente für den Fliesen- und Plattenbereich und für Pflasterdecken im GaLaBau.

Haben Sie vor 5 Jahren nicht auch ein komplettes Sortiment an Innen- und Außenfarben ins Programm genommen?

Ja, und hier liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor uns. Denn in der Wahrnehmung des Marktes wird der Name Sakret zu wenig mit dem "Baustoff" Farbe in Verbindung gebracht. Aber wir wollen uns auch in diesem Thema beim Maler- und Lackiererhandwerk deutlich besser platzieren. Der Schlüssel hierfür ist das Berliner Traditionsunternehmen Diessner - im Markt bekannt für seine hohe Farb- und Lackqualität. Da Diessner eine 100% Tochter der Sakret GmbH in Bad Lauterberg ist, können wir deren Farb-Kompetenz für die gesamte SAKRET-Gruppe nutzen.

Zur letzten Messe "FARBE - Ausbau & Fassade" haben Sie als zentrales Messethema "Fassade" vorgegeben. Und auf einer aktuellen Anzeige steht: "Gutes Handwerk: Fassadensanierung ist mehr als nur Dämmung". Klingt fast nach Rundum-Sanierung?

Das klingt nicht nur so. Es ist unser erklärtes Ziel, die Oberfläche und den Querschitt der Fassade bzw. der tragenden Wandkonstruktion als Ganzes zu verstehen, um für die Vielzahl der Belastungen wie Schädigungen dieses Bauteils ein komplettes Sanierungs-, Renovierungs- und Sanierungspaket anbieten zu können - zum Beispiel für Ihre Leser aus dem Malerhandwerk. Dieses SanReMo-Systemprogramm reicht von der Sanierung von riss-, salz- und feuchtebelasteten Fassaden, der Bekämpfung von Algen- und Pilzbefall, der Abdichtung erdberührender Bauteile, der Balkonsanierung bis hin zum Wärmeschutz.

Wie sehen Sie die momentane Situation bzw. die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Bereich der energetischen Sanierung?

Auch wenn der Anlass tragisch ist: Der Reaktorunfall in Fukushima hat verdeutlicht wie sehr die Energiefrage für alle in der Bauwirtschaft die Zukunft bestimmen wird. Und bei den gewaltigen wärmetechnischen Defiziten des Gebäudebestands ist die energetische Bestandssanierung schlicht ein bau- wie wirtschaftspolitisches Muss. Vor allem wenn die durchschnittliche Erneuerungsquote im Gesamtgebäudebestand unter 1 Prozent liegt.

Ihr Unternehmen ist ordentliches Mitglied im Fachverband WDVS?

Zwei der fünf deutschen Lizenznehmer sind ordentliche Mitglieder im Fachverband mit den sich ergebenden Synergieeffekten für die gesamte deutsche Sakret-Gruppe.

Ein Begriff der zurzeit auch durch das Maler- und Lackiererhandwerk geistert, ist Nachhaltigkeit. Mit welchen Inhalten würden Sie diese Begrifflichkeit für Ihr Haus belegen?

Geistert ist das richtige Wort. Dabei gibt es für "Nachhaltigkeit" eine recht einfache Erklärung: Gebäude und Bauwerke sollen dauerhaft bestehen und dauerhaft funktionieren. Und ihre Erstellung und Nutzung im Ideal weder Mensch noch Natur belasten oder schädigen.

Welche Rolle spielt eigentlich das verarbeitende Maler- und Lackiererhandwerk für Ihr Haus? Und: Was würden Sie sich vom Maler- und Lackiererhandwerk zum 75. Firmenjubiläum wünschen?

Das Maler- und Lackiererhandwerk ist in seiner Arbeit schon fast traditionell "gewerkeoffen", bietet schon länger Leistung aus einer Hand. Dieses Selbstverständnis passt ideal zum Bestandsbau. Entsprechend hoch ist das Interesse von Sakret, künftig hier mehr und besser zu kooperieren. Und der angesprochene Wunsch geht in Richtung einer gemeinsamen Leistungsallianz aus Hersteller, Handel und Handwerk. Denn nur gemeinsam produzierte Qualität hat auf Dauer ihren Preis.

Dieses Interview wurde mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift "DER MALER und Lackierermeister" veröffentlicht (Heft 8/2011).

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