Feuchte Räume schneller wieder nutzen

Porenhydrophober Sanierputz nach WTA

baustoff partner 7/2013

Das Problem bei durchfeuchtetem Mauerwerk ist nicht nur Wasser, sondern zusätzlich die darin gelösten Salze. Auch wenn weiterer Eintrag von Feuchtigkeit und Salzen unterbunden wird, dauert die Trocknung lange. Sanierputze helfen, die Räume schneller wieder nutzbar zu machen.

Feuchte- und Salzbelastung geht im Mauerwerk Hand in Hand: Eindringendes Wasser, z.B. aus dem Erdreich oder aus Überschwemmungen, bringt eine große Zahl an gelösten Stoffen mit sich und lagert sie in das Mauerwerk ein. Einmal dort angekommen, ziehen die hygroskopischen Salze nach dem Abtrocknen neue Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft nach – sofern nicht ohnehin weiter Wasser in flüssiger Form nachdrängt.

Die erste Sanierungsmaßnahme ist in solchen Fällen immer, eindringendem und kapillar weitertransportiertem Wasser den Weg zu versperren, z.B. durch die Erneuerung einer defekten Vertikal- und Horizontalsperre. Solche Arbeiten sind oft aufwändig, aber sie sind die Voraussetzung für eine fachgerechte und dauerhafte Sanierung.

Feuchte- und salzbelastetes Mauerwerk: Der Schadensmechanismus

Schadensmechanismen unschädlich machen

Bei jedem neuen Auskristallisieren sprengen die Salze den Materialverbund im Mauerwerk ein wenig auf. Außerdem verändert die ständig nachfeuchtende Wand das Innenklima negativ, sowohl beim Feuchtehaushalt als auch bei der Temperatur – eine feuchte Wand hat einen weit höheren Wärmedurchgangswert als eine trockene. An Innenwänden kommt möglicherweise noch Schimmel als Problem hinzu.

Eine ideale Sanierung bestände darin, Feuchtigkeit und Salze dauerhaft aus der Wand zu entfernen. Eine vollständige Trocknung dauert allerdings sehr lange – und gerade bei der Nutzung von Trocknungsgeräten in Innenräumen nehmen nach einer bestimmten sinnvollen Einsatzzeit die Energiekosten überhand. Salze vollständig aus Mauerwerk zu entfernen ist praktisch unmöglich. Das Ziel muss sein, sie auf ein unschädliches Maß zu reduzieren.

Die Entwicklung von Sanierputzen begann vor mehr als 40 Jahren, sie waren dazu gedacht, die Sanierung von feuchtem und salzbelastetem Mauerwerk zu unterstützen. Zur Vorbereitung wird eventuell vorhandener alter Putz bis etwa 1 m über den Feuchtehorizont abgeschlagen und das Mauerwerk soweit möglich vorgetrocknet, sichtbare Salzausblühungen werden trocken abgebürstet.

Aufbau aus mehreren Komponenten

Moderne Sanierputze sind eigentlich Baustoffsysteme aus mehreren Komponenten. Das SAKRET-Sanierputzsystem besteht aus zwei bis vier Komponenten mit klar umrissenen bauphysikalischen Funktionen. Das gesamte System erfüllt die Anforderungen des WTA-Merkblatts 2-9-04 D „Sanierputzsysteme“.

Erste Komponente ist der Sanierspritzbewurf SBW. Mit etwa 50 % Deckung aufgebracht, verbessert er bei schwierigen Untergründen die Haftung. Der folgende Porengrundputz PGP wird mehrlagig und in hoher Gesamt-Schichtdicke aufgetragen. Mit einem Porenvolumen von mehr als 45 Volumen-% sorgt er nicht nur für einen problemlosen Transport von Restfeuchte aus dem Mauerwerk, sondern auch für eine zerstörungsfreie Einlagerung von kristallisierenden Salzen. Als Nebeneffekt ist der Porengrundputz auch ein hervorragender Ausgleichsputz, gerade bei alter Bausubstanz.

Sanierputz: Material und Verarbeitung müssen stimmen.

SAKRET Sanierputz SP grau oder weiß ist eine weitere Komponente im SAKRET Sanierputzsystem. Das Porenvolumen liegt bei größer 35 Volumen-%, so dass der Feuchtetransport an die Oberfläche gegenüber normalen Putzen stark erhöht ist. Unterstützt wird dieser Mechanismus durch die hydrophobe Porenoberfläche. Eine dünne letzte Lage Sanierputz kann zur Gestaltung der Wand gefilzt oder strukturiert werden. Ist das Mauerwerk nur gering belastet, kann der Porengrundputz unter dem Sanierputz auch entfallen.

Sanierputz mit hochwertigen Oberflächen

Bei besonderen Ansprüchen an die Oberflächenqualität bildet SAKRET Sanierfeinputz SFP mit einer Körnung von 0,5 mm eine sehr feine diffusionsoffene Oberfläche; alternativ kann auch ein Mineralputz bzw. Silikatputz mit seinen erweiterten Gestaltungsmöglichkeiten als abschließende Schicht ausgeführt werden. Auch eine Beschichtung ist möglich, solange das Farbsystem hoch diffusionsoffen ist.

Bei der Verarbeitung ist grundsätzlich zu beachten, dass die gewünschten Materialeigenschaften nicht durch unsachgemäße Behandlung (z.B. Materialmischtechnik, die den Volumenaufbau nicht unterstützt, zu starke Bearbeitung der feuchten Putzoberflächen mit absperrender Schichtbildung oder absperrende Beschichtungen) beeinträchtigt werden.

Sinnvolle „Therapie“ mit Sanierputz

Ein Sonderfall für den Einsatz von Sanierputzen sind stark durch eine frühere Gebäudenutzung mit Salzen belastete Wände z.B. in ehemaligen Stallungen oder Toiletten, die noch keine Hygiene nach modernen Standards kannten. Da hier die Schadensursache nicht in einer defekten Abdichtung liegt, sondern in der Salzbelastung selbst, wird der Sanierputz zur zentralen Sanierungsmaßnahme. In allen anderen Fällen ist ein Sanierputzsystem seinerseits ein Baustein in einem Paket von Maßnahmen, zu dem in der Regel die Wiederherstellung von Abdichtungen im erdberührten Bereich gehört.

Die unschädliche Einlagerung von Salzen und die fortgesetzte Trocknung eines restfeuchten Mauerwerks über die Zeit ist bauphysikalisch eine sinnvolle Maßnahme. Genauso wichtig ist aber ein ganz anderer praktischer Wert eines Sanierputzsystems. Betroffene Räume können sehr viel früher normal und mit höchstens sehr geringen Einschränkungen genutzt werden, als es die belastete Mauerwerkssubstanz sonst erlauben würde – ein schlagendes Argument für betroffene Nutzer oder Bewohner.

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift "baustoff partner" veröffentlicht (Heft 7/2013).

www.baustoff-partner.de
nach oben
Copyright © 2019 SAKRET