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Fliesen und Platten im Außenbereich: Aber mit Sicherheit

SAKRET Fliesen- und Plattensysteme

Fliesen und Platten auf Terrassen und Balkonen sind so reklamationsträchtig wie kaum eine andere Baumaßnahme. Dabei ist die Nachfrage hoch, das Geschäftsfeld sehr attraktiv. Die Schadensursachen sind bekannt, aber sie werden nicht immer wirkungsvoll vermieden. Wie lassen sich Schäden und unschöne Veränderungen der Oberflächen also dauerhaft und sicher vermeiden?

Entscheidendes Detail: Die Abdichtung des Unter­grunds, im Bild mit ausge­führter Stoß­verklebung und Randab­dichtung.

Bei der herkömmlichen Verlegung von Fliesen und Platten im Außenbereich, vor allem bei großformatigen Fliesen und Feinsteinzeug, können häufig die Dispersionen im Fliesenkleber nicht komplett verfilmen und austrocknen. Die lang anhaltende Feuchte führt dann zu einem „Verseifen“ des Dünnbettmörtels. Dadurch erreicht der Fliesenkleber fast nie seine optimalen Haft- und Biegezugwerte und ist so von Anfang an in einem geschwächten Zustand eingebaut. Wirken sich dann noch die extrem hohen Spannungen im Außenbereich durch Sonne, Regen, Hagel und Frost aus, kann der Kleber die Fliese nicht dauerhaft am Untergrund halten – sie löst sich ab.

Hier liegt eine wesentliche Ursache für die große Zahl von Schäden in der Vergangenheit. Der Ausweg ist die Entwicklung von Aufbauten und Spezialprodukten, die auf Terrassen und Balkonen dauerhaft den erhöhten Anforderungen standhalten und die gleichzeitig verarbeiterfreundlich zu realisieren sind. Dazu wurden zahlreiche Labor- und Praxisversuche durchgeführt.

Wasser unschädlich machen: Drainagesysteme plus Spezialprodukte

Die daraus entstandenen Aufbauten erreichen ihre hohe funktionale Sicherheit durch eine Kombination von Drainagesystemen und speziell für den Außenbereich angepassten Verlegeprodukten. Die Drainagesysteme tragen schon in der Einbauphase zu einer gleichmäßigen und vollständigen Trocknung des Fliesenklebers bzw. Dünnbettmörtels bei. SAKRET hat außerdem einen 2-komponentigen Fliesenkleber (C2 TE S2) für den Außenbereich entwickelt, der verseifungsstabil und besonders alterungsbeständig ist. Auch beim zweiten wichtigen Kriterium, den Haft- und Biegezugwerten zur Aufnahme der thermisch bedingt hohen Dehn- und Schwindbewegungen im Außenbereich, erreicht dieser Kleber weit höhere Werte als Standardprodukte.

Eine weitere wichtige Komponente bei dickschichtigen Aufbauten sind Einkorn-Drainagemörtel als Tragschicht. Fachgerecht eingebaut enthalten sie einen großen Hohlraumanteil, der bei Sonneneinstrahlung den eventuell entstehenden Dampfdruck wirksam abbaut und bei Frost genügend Platz bietet, damit noch vorhandenes Wasser zu Eis auskristallisieren kann, ohne Schäden anzurichten.

Drainagemörtel sollte nur dann allein eingesetzt werden, wenn er kapillar­pas­siv und die Wasser­belastung gering ist.

Drainage: gestufte Wasseraufnahmefähigkeit

Wann immer Wasser auf den Belag kommt, wird es sinnvollerweise zum größten Teil über die Oberfläche abgeleitet. Ein Teil wird aber immer in den Aufbau eindringen und muss von hier über einem abgedichteten Untergrund so effektiv wie möglich abgeleitet werden. Das Problem der Rückfeuchtung kann nur durch kapillarbrechende Schichten, also spezielle Drainagematten oder kapillarpassive Drainmörtel, wirkungsvoll unterbunden werden. Die Sickerschichten sollten kurz gehalten werden. Nicht zu vergessen ist der endgültige Ablauf des Drainwassers, z.B. in geeigneten Rinnen.

Verlegetipps – Praxiserfahrungen

Einer der wichtigsten Punkte beim Fliesen im Außenbereich ist das Verlegen im Buttering-Floating-Verfahren, das immer angewendet werden sollte, um eine gute Benetzung zu erreichen und Hohlstellen soweit möglich zu vermeiden. Weiter sind die Aufbauten anfangs vor Regen und zu großer Wärme zu schützen. Wie bei allen Mörtelprodukten können ungünstige Umgebungs­bedingungen dazu führen, dass die eigentlich angestrebten Produkteigenschaften nicht erreicht werden und strukturelle Schwächen entstehen. Genau die gilt es zu vermeiden.

Die vorgestellten Aufbauten und Produkte wurden unter anderem in Zusammenarbeit mit Cosentino, dem Hersteller von Dekton, geprüft und getestet. Dekton ist ein Kunststein, der eine enorme Härte aufweist und nur ein Zehntel der Wasseraufnahme von Feinsteinzeug hat. Dieser Kunststein ist durch seine Eigenschaften sehr gut für den Außenbereich geeignet, stellt allerdings hohe Ansprüche an die Verlegeprodukte und an die handwerkliche Leistung des Verlegers. Die Aufbauten erreichten auch mit diesem anspruchsvollen Belag eine sichere Funktion, die eine sehr hohe Lebensdauer ohne Schäden erwarten lässt.

Je nach Situation sind auch Sanierungen schadhafter Systeme möglich. Exemplarisch ist der Fall eines Handwerkers, der wegen eines Totalschadens am Terrassenbelag nach nur drei Jahren Standzeit zu einem Endkunden gerufen wurde. Fast der komplette Fliesenbelag löste sich vom Untergrund. Nach genauer Analyse in unserer technischen Abteilung für Fliesenchemie konnte eine technisch und wirtschaftlich sehr gute Lösung für diesen Fall gefunden werden. Inzwischen ist die Terrasse mit großformatigem Feinsteinzeug belegt und zeigt eine einwandfreie Funktion.


Aufbau mit SAKRET Epoxid­harz­drainage­estrich (regional verfügbar)


SAKRET Dick­schicht­aufbau mit hoher Drain­leistung (regional verfügbar)

Mehr zum Thema auch in der SAKRET Broschüre: Fliesen und Platten im Außen­bereich

Fazit: Ein attraktives Geschäftsfeld wiederentdeckt

Auf der Basis unserer geprüften Systeme lassen sich dünn- und dickschichtige Aufbauten mit sehr großer Sicherheit erstellen. Zum einen wird die Verfilmung der Dispersionen sichergestellt, zum anderen können Witterungseinflüsse den Aufbauten keinerlei Schäden hinzufügen. Außerdem werden Ausblühungen effektiv vermieden.

Durch diese große Sicherheit kann der Fliesenleger sich wieder in dem attraktiven Geschäftsfeld „Außenbeläge“ bewegen, ohne eine ungünstige Reklamationsquote befürchten zu müssen. Auch dem Architekten werden dadurch breite gestalterische Möglichkeiten für den Außenbereich geboten.


Kleine Checkliste

Für Planung und Ausführung gibt es genaue Vorgaben, die sich in Normen und Merkblättern finden, aber auch in den SAKRET-Vorgaben. Für Sonderkonstruktionen, das ist bei Einsatz von Drainagematten immer der Fall, ist die Absprache mit dem Auftraggeber Pflicht. Nur die wichtigsten zu beachtenden Punkte:

  • Welche Situation liegt vor? (erdberührte Terrasse, frei auskragender Balkon, Dachterrasse, Loggia…)
  • Wird dadurch Abdichtung nach Norm oder Verbundabdichtung nach ZDB erforderlich?
  • Anschlüsse, z.B. an Hauswänden, mit der zugehörigen Abdichtung richtig geplant?
  • Weitere Sonderkonstruktionen mit besonderen Drainage-Anforderungen geplant, z.B. Ablaufroste an barrierefreien Terrassen-/Balkontüren
  • Gefällevorgaben eingehalten und das Gefälle in der richtigen Schicht (Grundplatte, Verbundestrich) geplant?
  • Sind die Feldgrößen praxisgerecht, d.h. maximal 3 mal 3 Meter?
  • Erfordert der Belag (rau, profiliert) ein besonderes Gefälle?
  • Entwässerung sichergestellt, z.B. über Randprofile?

Dr. Joachim Korndörfer
Diplom-Mineraloge, seit 10 Jahren Laborleiter bei SAKRET Trockenbaustoffe, Kalkwerk Rygol GmbH & Co. KG in Painten.
Julian Dietrich
Fliesenlegermeister und staatlich geprüfter Bautechniker. Seit einem Jahr bei SAKRET Trockenbaustoffe, Kalkwerk Rygol GmbH & Co. KG als technischer Leiter der Fliesenchemie.
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