SAKRET Seminarfachtag „Fliesenforum“

Unter die Erde für mehr Wissen

Um solides Fachwissen zu bekommen, lohnt es sich manchmal, die gewohnten Pfade zu verlassen. Der beste Beweis dafür war der SAKRET Seminarfachtag für den Bereich Fliesen und Platten, den mehr als 50 Teilnehmer tief unter der Erde erlebten.

In der letzten Februarwoche ging es für mehr als 50 angemeldete Teilnehmer am Seminarfachtag „Fliesenforum“ erst einmal bergab: Zwischen 600 und 700 Meter tief liegt der ehemalige Kali-Abbauhorizont im Erlebnisbergwerk Sondershausen in Thüringen, in das SAKRET als Veranstalter des Fliesenforums eingeladen hatte. Die tief im Fels angelegten Veranstaltungsräume waren eine eindrucksvolle Kulisse für die Vorträge und Diskussionen im Rahmen der Seminarfachtage 2014. Ein stilechtes Detail am Rande: In unmittelbarer Schichtung mit dem abgebauten Kali und Steinsalz befinden sich auch ausgedehnte Anhydritvorkommen unter dem Sondershausener Sandstein. Und um Anhydritestrich, fachlich meist als calciumsulfatgebundener Estrich gezeichnet, ging es unter anderem in den Fachbeiträgen der Seminar-Referenten.

Großformate auf calciumsulfatgebundenem Estrich

„Ansetzen und Verlegen von Großformaten auf calciumsulfatgebundenen Estrichen“ lautete das erste Fachthema. Großformatige Fliesen, zementgebundene Fliesenkleber und calciumsulfatgebundener Estrich, das bedeutet das Zusammentreffen von Baustoffen mit sehr speziellen Anforderungen.

Da Großformate hohe Anforderungen an die Ebenheit des Untergrunds stellen, ist schon in diesem Bereich der Aufwand für die Vorbereitung entsprechend hoch. Um die erforderliche Ebenheit zu erreichen, sind selbstverlaufende Spachtelmassen sehr gut geeignet. Die Auswahl erfolgt unter anderem nach der erforderlichen maximalen Schichtdicke bzw. der maximalen Abweichung des vorhandenen Untergrunds von der geforderten Ebenflächigkeit. SAKRET Fußbodenausgleichsmasse FAM (bis 15 mm), Leichtspachtelmasse LSM (bis 25 mm), Nivellierspachtelmasse NSP (bis 30 mm) und Multiausgleichsmasse MAM (bis 40 mm) unterscheiden sich allerdings auch in weiteren Produkteigenschaften, die jeweils abzuwägen sind, betonte Referent Dietmar Fischer, Anwendungstechniker für das Segment Fliesen und Platten bei der SAKRET GmbH. Eine mechanische Bearbeitung des Untergrunds, z.B. durch Schleifen, kann eine Alternative sein, ist allerdings mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. Auf den Fliesenleger kommen solche Aufgaben vor allem bei der Arbeit im Bestand zu – bei neu eingebautem Estrich liegt die Ablieferung einer belegreifen Oberfläche im Verantwortungsbereich des Estrichlegers.

Oberste Regel: Trockenheit

Bei calciumsulfatgebundenem Estrich ist Trockenheit die oberste Regel. Die Feuchtigkeit, die durch Ausgleichsspachtel, Fliesenkleber und Fugenmaterial in den Untergrund eingetragen werden kann, darf nicht unterschätzt werden, sagte Fischer. Seine große Stärke, die besondere Verformungssicherheit, kann dieser Estrich nur bei Schutz vor Feuchtigkeit ausspielen. Außerdem ist die Festigkeit stark vom Feuchtegehalt abhängig, bis hin zu dauerhaften Veränderungen bei anhaltender Feuchteeinwirkung. Die dringende Empfehlung aus anwendungstechnischer Sicht ist eine doppelte Feuchtevermeidungs-Strategie: Erstens die Verwendung von Klebern, die wenig Wasser enthalten bzw. ihr Überschusswasser sehr schnell chemisch binden, zweitens die Vorbehandlung mit einer Grundierung, die einen Feuchteeintrag zuverlässig verhindert. Insbesondere bei den Grundierungen sind in letzter Zeit sehr leistungsfähige Produkte entwickelt worden, z.B. SAKRET Spezialgrundierung SG (zweikomponentig, auf Epoxydharzbasis, Anwendung mit Quarz) und SAKRET Anhydrithaftgrund AHG (einkomponentig, auf Polyurethanbasis).

Als Fliesenkleber eignen sich grundsätzlich Flexfliesenkleber wie SAKRET FFK l, FFK, FFKs und Euroflex EF. Dünn- und Mittelbettverklebung sind grundsätzlich möglich, aber die korrekte Verlegetechnik entscheidet letztendlich über die Haftung, stellte Dietmar Fischer fest.

Alles, was Recht ist…

Im zweiten Schwerpunkt des Tages gab Rechtsanwalt Dr. Martin Lailach einen ausführlichen Überblick über die aktuelle Rechtsprechung zu Mängelansprüchen des Auftraggebers. Rechtsfragen aus dem Bereich der Mängelhaftung klingen im Juristendeutsch ausgesprochen abstrakt, die Folgen bei Nichtbeachtung sind allerdings schmerzhaft konkret. Die vertraglichen Vereinbarungen spielen eine wesentliche Rolle dabei, was als ein Mangel zu gelten hat – das heißt, als vereinbart gelten nicht immer nur und automatisch die berühmten „anerkannten Regeln der Technik“, Stichwort VOB/B.

Sehr konkret und dadurch auch für Laien verständlich wurde die Rechtslage bei den Beispielen, mit deren Hilfe Dr. Lailach seinen Vortrag gestaltete. Die Begriffe der Funktion und der Funktionstauglichkeit, der Prüfungs- und Hinweispflichten spielten im ersten Teil eine wesentliche Rolle, im zweiten Teil dann die Mängelansprüche und wie man professionell mit ihnen umgeht – keine leichte Materie, aber für einen Handwerksbetrieb heute ein absolute Muss.

Nach dem Lernen das Staunen

Im Anschluss an das Seminar konnten die Teilnehmer eine Erlebnistour durch das Bergwerk machen, die einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Nicht nur die Untertage-Bauten selber, auch die Fortbewegungsmittel waren erstaunlich vielseitig – die Gruppe war im Aufzug über hunderte Meter Höhenunterschied unterwegs, natürlich zu Fuß, im unterirdisch fahrenden Lkw, im Boot in gefluteten Stollen und Seen, und nicht zuletzt in der typischen Bergmannsrutsche auf dem traditionellen „Arschleder“. Da war das Handwerk wieder sehr handfest.


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