Fugensanierung in Ziegelmauerwerk

Bei Schäden am Sichtmauerwerk

In Sachen Pflegebedarf und Unterhaltskosten schneidet Sichtmauerwerk hervorragend ab. Oft ist über die gesamte Lebensdauer kaum etwas zu tun. Wenn bei Sichtmauerwerk Schäden auftreten, betrifft es meistens die Fugen. Und bei der Fugensanierung gibt es mehr zu beachten, als man im ersten Moment denkt.

Harte oder weiche Fuge? Etwas Materialwissenschaft

Eine Mauerwerksfuge hat wesentliche statische und bauphysikalische Funktionen, die bei unterschiedlichen Mauerwerkskonstruktionen und Mauersteinen auch unterschiedliche technische Parameter von Mauer- und Fugenmörtel verlangen. Dazu gehören mechanische Eigenschaften wie Druckfestigkeit, Haftscherfestigkeit, Längs- und Querdehnungsmodul, außerdem definierte thermische und hygrische Dehnungscharakteristika und bestimmte Eigenschaften bei Feuchtetransport bzw. Wasserabweisung.

Art und Menge des eingesetzten Bindemittels haben den größten Einfluss auf diese Parameter. Ein steigender Anteil hydraulischer Bindemittel, z.B. Zement, hochhydraulischer Kalk oder Putz- und Mauerbinder, erhöht die Druckfestigkeit des abgebundenen Mörtels und bewirkt ein höheres Elastizitätsmodul, die Druckfestigkeit erreicht bis zu etwa 30 N/mm2. Ganz oder teilweise karbonatisch härtende Mörtel mit Bindemitteln wie Luftkalk oder Wasserkalk härten langsamer aus und erreichen wesentliche geringere Druckfestigkeiten von 1-2 N/mm2.

Den universellen Fugenmörtel, der in Kombination mit allen Mauersteinen immer das beste Ergebnis bringt, gibt es nicht. Der Werktrockenmörtel-Erfinder SAKRET bietet daher eine Palette von Mauer- und Fugenmörteln mit sehr unterschiedlichen, auf bestimmte Mauersteine und Lastfälle abgestimmten Eigenschaften an. Das Sortiment reicht von zementären Fugenmörteln mit relativ großer Härte und hoher Witterungsbeständigkeit bis zu natursteingeeigneten Kalk-Trass-Mörteln mit ausgeprägten Kapillar- und Diffusionseigenschaften. Für den Bauherrn ebenfalls von Bedeutung ist das breite erzielbare Farbspektrum der SAKRET-Fugenmörtel.

Schadensmechanismen in Fuge und Stein

Zu Weich: Flächig ausgesandet und tief ausgespült.

Ein zu weicher oder unzureichend gebundener Mörtel wird über die Zeit durch plastische Lastverformung seine strukturelle Festigkeit verlieren. Der Prozess wird durch Bewitterung und eindringendes Wasser verstärkt, das Ergebnis ist Absanden und Auswaschen der Fuge.

Ein zu harter Fugenmörtel zeigt dagegen oft eine makellos harte und glatte Oberfläche, aber Risse im Fugenquerschnitt, außerdem großflächige Ablösungen von den Steinflanken. Die Risse bilden ein Kapillarnetz, das Regenwasser bis tief in das Mauerwerk transportieren kann. Durch ungünstige Lastspitzen kann zu harter Fugenmörtel die Steinköpfe abscherbeln lassen.

Hart und glatt: aber Risse, Flanken­ablösungen und Absprengung.

Fuge oder Fugenbild können auch durch Schadensmechanismen beeinträchtigt werden, die im Stein oder einer ungünstigen Nachbehandlung des Mauerwerks liegen. Zu weiche Steine wittern stark ab und setzen den Mörtel verstärkter Erosion aus, harter Mörtel bleibt oft gerüstartig stehen. Hydrophobierungen der Fuge oder gleich eines gesamten Mauerwerks bringen nur unter idealen Bedingungen das gewünschte Ergebnis; oft dringt an einigen Stellen doch Wasser ein, und im Ergebnis wirkt die Hydrophobierung nach innen. Die "gefangene" Feuchtigkeit sprengt bei Frost Fugen- und Steinoberflächen ab.

Sanierung Schritt eins: alte Fuge ausbauen

Alte Fuge ausbauen

Schadhafte Fugen müssen vor dem Neuverfugen ausgebaut werden. Als Faustregel gilt bei Ziegeln eine Ausbautiefe von etwa 2,5 bis 3 cm. Meißel, Flex und Fugenfräse werden gerne eingesetzt, haben allerdings den Nachteil, dass die Steinflanken leicht verletzt werden, weil die Werkzeuge ungewollt effektiv arbeiten und nur eine begrenzt genaue Führung gestatten. Für den Handwerker lohnt sich der Blick auf alternative Lösungen wie die Einstechklingen-Handsäge. Staubarmes Arbeiten durch geeignete Absauganlagen am Gerät ist Pflicht, nicht nur wegen der Verschmutzung, sondern auch zum Gesundheitsschutz.

Sanierung Schritt zwei: neu verfugen

Neu verfugen

Für die Flankenhaftung des neuen Fugenmörtels ist eine gut gereinigte Fuge ausschlaggebend. Vornässen erfolgt nach produktspezifischen Empfehlungen. So werden auch Ausblühungen vermindert, weil der richtig vorgenässte Stein kaum Wasser samt Inhaltsstoffen aus dem frischen Fugenmörtel absaugt. Bei Verwendung von karbonatisch gebundenem Fugenmörtel (Luftkalk) bewirkt die Vorbehandlung mit essigsaurer Tonerde eine bessere Haftung am Stein.

Der neue Fugenmörtel wird je nach Ausbautiefe der Fuge in einer oder zwei Schichten mit einem geeigneten Fugeisen aus Edelstahl angetragen. Die Konsistenz des Fugenmörtels bei der Verarbeitung ist produktspezifisch, meist in etwa erdfeucht.

Sanierung Schritt drei: Schutz und Nachbehandlung

Schutz und Nachbehandlung

Sowohl hydraulisch wie karbonatisch gebundene Fugenmörtel erreichen dann optimale Eigenschaften, wenn die Umgebungsbedingungen - Temperatur, Feuchte und Luftzirkulation - beim Abbinden für das jeweilige Material im vom Hersteller vorgegebenen Bereich liegen. Kontrolliertes Nachnässen bei hydraulischen Mörteln und Schutz vor zu schnellem Austrocknen können das Ergebnis positiv beeinflussen.

Nach Ansteifen des Mörtels wird die Fuge ausgeformt. Neben dem Fugenglattstrich sind auch andere Fugen-Geometrien zulässig, die einen guten Wasserabfluss gewährleisten. Hier kommen Fugeisen, ein Stück Schlauch oder bei Kalkmörteln in historischem Natursteinmauerwerk eventuell sogar ein Pinsel mit groben steifen Borsten zum Einsatz.

Durch das Ausformen wird der Mörtel etwas nachverdichtet. Das schließt einen Teil der immer auftretenden kleinen Schwindrisse und entfernt eventuelle dünne Sinterschichten an der Oberfläche, die sonst die Farbe der Fuge verändern und eine unerwünschte Membran bilden können. Zu starkes Reiben der Fuge führt allerdings wieder zu ungünstigen Bindemittelanreicherungen an der Oberfläche.

Nicht jede Fugengeometrie ist erlaubt. Wichtigstes Kriterium ist der möglichst rückstandslose Ablauf von Regenwasser.

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