Beton instand setzen

Markt und Chance für Handwerk mit Beton-Know-how

Wer beim Stichwort Betonsanierung im Hochbau nur an den Balkon denkt, liegt nicht ganz falsch. Genau genommen liegt man damit zu etwa 20 Prozent richtig - in etwa diesem Bereich bewegt sich der Anteil der Balkonarbeiten bei der Betonsanierung. Je nach Region und dort vorherrschender Baugeschichte eröffnet sich aber auch jenseits des Balkons ein nennenswerter Markt. Wenn es um Beton-Instandsetzung und vorbeugenden Oberflächenschutz geht, ist neben dem Maler vor allem der Handwerkszweig gefragt, der sich mit Formgebung und Bewahrung der Fassade bestens auskennt: die Stuckateure.

Typische Betonbauteile
im Wohnungsbau:

  • Fassadenplatten
  • Stützen
  • Attiken
  • Lisenen
  • Balkonplatten
  • Brüstungen
  • Treppen
  • Tragwerke
  • Rahmenknoten
  • Fertiggaragen

Die Welt der Betoninstandsetzung ist für den Bereich der Ingenieurbauten und Tragwerke durch eine große Zahl an harmonisierten europäischen Normen, deutschen Restnormen, Richtlinien und Prüfpflichten für die eingesetzten Produkte bestimmt. An erster Stelle ist die zehnteilige DIN EN 1504 "Produkte und Systeme für den Schutz und die Instandsetzung von Betontragwerken …" zu nennen, außerdem die Richtlinie "Schutz und Instandsetzung von Betonbauwerken" (SIB) des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStB) sowie Teil 3 Abschnitt 4 der ZTV-ING. "Schutz und Instandsetzung von Betonbauwerken" und schließlich als Bestandteil der VOB die DIN 18349 "Betonerhaltungsarbeiten".

Arbeits­schritte Repro­filieren:

Fachkunde ist gefragt - auch im nicht bauaufsichtlich geregelten Bereich

Die Anwendung der Normen und Richtlinien sowie der ausschließliche Einsatz geprüfter Produkte wird allerdings bauaufsichtlich durchgehend nur in einem bestimmten Fall gefordert, nämlich dann, wenn die Standsicherheit des Betonbauwerks oder Bauteils gefährdet ist. Ist das nicht der Fall, greifen die weniger anspruchsvollen Regelungen der Bauproduktenrichtlinie, in diesem Fall ihre deutsche Umsetzung im Bauproduktengesetz (BAuPG) und in den Landesbauordnungen (LBO). Bei den üblichen Betoninstandsetzungsarbeiten im Hochbau geht es allerdings nicht um Probleme mit der Standsicherheit, sondern um eine Wiederherstellung des Korrosionsschutzes von Bewehrungen, um kleinflächige Reprofilierungen und um Schutzbeschichtungen, kurz: um typische Arbeiten an Fassaden und im Außenbereich, mit denen gerne auch Stuckateurbetriebe beauftragt werden.

Bei diesen Arbeiten entfallen daher die stark reglementierten und dokumentationspflichtigen Schritte von der Projektplanung durch einen "sachkundigen Planer" bis hin zum Baustellenprotokoll, und im ausführenden Handwerksbetrieb benötigt niemand den sogenannten SIVV-Schein (Schützen, Instandsetzen, Verbinden und Verstärken von Betonbauteilen). Ohne tiefreichendes Fachwissen geht es trotzdem nicht - für eine nachhaltige Instandsetzung müssen der spezielle Baustoff Beton und seine spezifischen Schadensmechanismen richtig verstanden werden. Unter diesem Gesichtspunkt lohnt die Teilnahme an einem SIVV-Lehrgang, auch wenn er nicht zwingend vorgeschrieben ist. Ein positiver Nebeneffekt: Der Befähigungsausweis wird von privaten und öffentlichen Auftraggebern eindeutig als Qualitätshinweis verstanden.

Geprüfte und bewährte Mörtelsysteme

Wenn die Standsicherheit nicht gefährdet ist, dürfen zur Instand­setzung auch nicht geprüfte Mörtelprodukte eingesetzt werden. Die Verwendung von geprüften Mörtelprodukten und Instandsetzungs­systemen hat in der Argumentation gegenüber dem Auftraggeber aber immer den großen Vorteil eines überprüfbaren Qualitätversprechens - und jeder Handwerksbetrieb ist mit der Empfehlung eines geprüften Produktes in der Argumentation wie in der Baupraxis immer auf der sicheren Seite.

Aufbau Repro­filierung

Ideal und unkompliziert in der Verarbeitung sind Instandsetzungs­systeme mit einkomponentigen Mörteln zur Reprofilierung bzw. als Betonersatz, z.B. SAKRET Grobmörtel PCC 2 für Schichtdicken bis 50 mm oder SAKRET Betocret für Schichtdicken bis 100 mm. Das gesamte System umfasst Korrosionsschutz und Haftbrücke, idealerweise in einem Produkt wie SAKRET K&H kombiniert, einen ein- oder zweikomponentigen Reprofilierungsmörtel und bei Bedarf einen Feinspachtel. Der Feinspachtel entfällt bei SPCC-Instandsetzungen, sprich, beim Einsatz von Spritzmörtel mit den entsprechenden Geräten. Dieses Verfahren lohnt bei wirklich großen Flächen, z.B. bei Industrie- und Gewerbebauten.

SAKRET Grobmörtel PCC 2 ist ein PCC-II-System nach ZTV-ING., sprich, er ist bei jeder beliebigen Orientierung der zu sanierenden Oberfläche einsetzbar. PCC-I-Systeme wie Betocret sind für waagerechte bis leicht geneigte Oberflächen gedacht. PCC-I- und PCC-II-Systeme sind grundsätzlich nicht nur für die Reprofilierung einzelner Schadstellen geeignet, sondern auch für großflächige Instandsetzungsmaßnahmen mit geringen Schichtstärken.

Die typischen Instandsetzungsarbeiten, z.B. bei der Reprofilierung von Balkonplatten, erfordern in der Regel nur eine kleinere Menge Material. SAKRET Grobmörtel PCC 2 und Betocret kommen in Sackgebinden von 25 kg - eine handhabbare Größe und selbst bei Verarbeitung eines ganzen Gebindes innerhalb der Verarbeitungszeit von 45 Minuten (PCC 2) bzw. komfortablen 90 Minuten (Betocret) gut zu bewältigen.

Beschichtungen zum Oberflächenschutz

Abge­sprengte Betonüber­deckung

Seine gewünschte Langlebigkeit erreicht Beton vor allem dann, wenn er vor den typischen chemischen und physikalischen Angriffen geschützt wird. Dazu tragen Oberflächenschutzsysteme wesentlich bei. Oberflächenschutz bedeutet im Außenbereich in erster Linie Bewitterungsschutz, insbesondere Schutz vor eindringender Feuchtigkeit. Nicht nur das Wasser selbst, sondern auch darin gelöste Schadstoffe, z.B. auch Tausalze, sollen aus dem Betongefüge so weit möglich herausgehalten werden. Die stark reduzierte Wasseraufnahme bringt auch eine erhöhte Frostfestigkeit mit sich.

Filmbildende Dispersionen, z.B. auf Acrylatbasis, verhindern zudem den Durchtritt von CO2 in das Betongefüge und damit die Carbonatisierung, also die Reaktion von CO2 aus der Luft mit dem im Beton vorhandenen Calciumhydroxid. Durch die Carbonatisierung verliert der Beton seine korrosionsschützenden alkalischen Eigenschaften, der Bewehrungsstahl beginnt zu rosten und sprengt durch Volumenzunahme die Betonüberdeckung ab. Dieser Schadensmechanismus ist nur einer von vielen möglichen, aber in der Praxis neben Frost-Taumittel-Wechsel der wichtigste. Ein Oberflächenschutzsystem OS 4 bzw. OS C ist daher nach einer Betoninstandsetzung eine sinnvolle Regelmaßnahme, die einen langfristigen Sanierungserfolg sicherstellt.

Ein neuer Oberflächenschutz kann auch als gestalterisches Mittel genutzt werden - die eingesetzten filmbildenden Beschichtungen sind in einem großen Farbspektrum einsetzbar, so dass der Stuckateur bei der Betoninstandsetzung nicht nur handwerklich-technisch, sondern auch gestalterisch arbeiten kann.

Beton-Oberflächenschutzsysteme nach DAfStB-Richtlinie SIB und ZTV-ING.

OS-Klasse nach DAfStB SIB OS-Klasse nach ZTV-ING. Aufgabe Material und Systemaufbau
OS 1 OS A Feuchteschutz bei vertikalen und geneigten Flächen im Außenbereich: verbesserter Frost- und Tausalz-Widerstand, Schutz gegen die Aufnahme wasserlöslicher Schadstoffe hydrophobe Imprägnierung, farblos
OS 2 OS B Verringerung der Wasseraufnahme und damit Schutz gegen Aufnahme wasserlöslicher Schadstoffe; starke Verringerung des CO2-Durchtritts, dadurch Carbonatisierungshemmung hydrophobe Imprägnierung und anschließende zweimalige Beschichtung mit einer filmbildenden und färbbarenPolymerdispersion
OS 4 OS C auf rissfreien Untergrund Herstellung einer homogenen Oberfläche mit Abweisung bzw. Durchtrittshemmung für Wasser, Schadstoffe und CO2 vollständige Flächenspachtelung mit Feinspachtel, anschließende zweimalige Beschichtung mit einer filmbildenden und färbbaren Polymerdispersion
OS 5a OS D II auf Untergründen mit nicht tiefreichenden Rissen Herstellung einer homogenen, rissfüllenden, dickschichtigen und elastischen Oberfläche mit Abweisung bzw. Durchtrittshemmung für Wasser, Schadstoffe und CO2 vollständige Flächenspachtelung mit Feinspachtel, anschließende zwei- bis dreimalige Beschichtung mit einer besonders elastischen, filmbildenden und färbbaren Polymerdispersion
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