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Facelifting für Altfassaden

Risse in Putzfassaden sind ein Dauerthema

malerblatt 7/2013

Risse in Putzfassaden sind ein Dauerthema. Das liegt auch daran, dass Risse jenseits der Materialtechnik und Bauphysik für den Bauherrn oder Hausbesitzer ein stark emotionales Thema darstellen. Eine schadhafte Fassade ist eben ein sehr offensichtlicher Mangel. Aber schließlich muss das Handwerk ja auch täglich mit Erwartungen und Wünschen der Auftraggeber umgehen. Und dass sich bei der Sanierung von Putzrissen nicht nur bautechnische Anforderungen, sondern auch viele ästhetische Wünsche erfüllen lassen, erleichtert die Arbeit dann doch.

Schäden oder auch nur vermeintliche Schäden im Putz sind, ob Alt- oder Neubau, immer genau zu überprüfen. Immerhin hat der Putzaufbau, einmal abgesehen von der ästhetischen und gestalterischen Qualität, ein ganzes Bündel bauphysikalischer Aufgaben zu erfüllen – und das im Zusammenwirken mit den übrigen Mauerwerks- und Fassadenbaustoffen angefangen vom Mauerwerk über Wärmedämmungen bis zu Beschichtungen auf der Putz-Oberfläche. Hier ist kein Bestandteil zu vernachlässigen, jede Komponente kann das technische Gesamtsystem der Fassade funktional machen oder Probleme verursachen.

Klassengesellschaft Putz

Das Verputzen eines Neubaus oder ein neuer Putz, der z.B. wegen einer Modernisierung mit einem Wärmedämm-Verbundsystem auf die Fassade gebracht wird, bedeutet immer eine Entscheidung für ein bestimmtes Putzsystem. Der wichtigste Parameter ist dabei das Bindemittel, das einen großen Teil der physikalischen und chemischen Eigenschaften des Materials bestimmt. Jeder durch die Bindemittelklasse charakterisierte Putztyp wird vom Fachmann automatisch mit bestimmten Eigenschaften in Verbindung gebracht:

  • Mineralputze auf Kalk-, Zement- oder Kalk-Zement-Basis (z.B. Sakret Kratzputz KP oder Sakret Scheibenputz SCP) gelten als die dauerhaften Klassiker an der Fassade, sie sind prinzipbedingt alkalisch eingestellt und erzielen damit ohne weitere Maßnahmen ein Algen und Pilze hemmendes Milieu. Sie nehmen durch ihr Sorptionsverhalten und ihre feinporige Kapillarstruktur oberflächliche Feuchtigkeit auf und geben sie bei geeigneten Umgebungsbedingungen schnell wieder ab.
  • Reine Kunstharzputze (z.B. Sakret Kunstharzputz KH in Kratzputz- oder Rillenstruktur) nehmen Wasser nur in sehr geringem Maß auf. Sie bieten hohen Wetterschutz und sind deutlich elastischer als Mineralputze.
  • Silikatputze (z.B. Sakret Silikatputz SK) auf Kaliwasserglasbasis bauen auf verkieselungsfähigen Untergründen eine extrem gute Haftung auf. Sie sind sehr gut wasserdampfdurchlässig, dabei mechanisch eher steif und hart.
  • Siliconharzputzes (z.B. Sakret Siliconharzputz SHP) sind wie Kunstharzputze stark wasserabweisend, aber etwas stärker dampfdiffusionsoffen als diese, dabei aber anders als ihr Name vermuten lässt deutlich weniger elastisch.

Der Blick auf die Bindemittelklasse allein reicht allerdings kaum, wenn man den geeigneten Putz für eine konkrete Situation finden möchte. Innerhalb der Bindemittelklassen ist die Variationsbreite der Eigenschaften immer noch ausgesprochen hoch. Druckfestigkeit, kapillare Wasseraufnahme und Wärmeleitfähigkeit, um nur drei der wichtigen Putz-Eigenschaften zu nennen, sind nicht einmal in den einschlägigen Materialnormen in so engen Kategorien zusammengefasst, dass sich für jede Anwendungssituation eine exakte Entscheidung ohne die produktspezifischen Daten treffen lässt. Das Ziel ist immer eine möglichst große Dauerhaftigkeit der Putzoberfläche unter den gegebenen Umweltbedingungen und bei einer gegebenen Konstruktion und Materialität der Gebäudestruktur. Ein Argument, das neben den technischen Eigenschaften eines Putzsystems noch zu wenig eine Rolle spielt, ist die leichte Überarbeitbarkeit der Putzfläche. Auf diesem Feld können vor allem die Mineralputze punkten.

Putz-Eigenschaften nach Bindemitteln

Auch bei alterungs- und rissbedingten Sanierungen: Die physikalischen Eigenschaften des Gesamtsystems Fassade müssen nach der Sanierung stimmen. Nicht jeder Putz (und nicht jede Beschichtung) passt bei jeder vorgefundenen Situation, und insbesondere nicht auf jeden Untergrund. Noch zu wenig berücksichtigt: die Überarbeitbarkeit.

Mineralputz
Kalk, Zement
Silikatputz
Dispersion, Kaliwasserglas
Siliconharzputz
Dispersion, Siliconharzemulsion
Kunstharzputz
Polymerdispersion
Elastizität/Verformbarkeit - - - +
Wasserabweisung + + ++ ++
Dampfdiffusions­fähigkeit ++ + + -
Resistenz gegen Algen/Pilze ++ ++ + +
Kreidungsresistenz
(bei dickschichtigen Edelputzen ausdrücklich erwünscht: „Edelkreidung“)
- - + +
Überarbeitbarkeit / Renovierbarkeit ++ + - -
Brandresistenz ++ + - -

++ sehr gut     + gut     - gering

Auch bei Rissen: System-Relevanz

Das Feuchtigkeitsverhalten einer Fassade kann unterschiedlichen Prinzipien folgen. Je nach Umgebungsbedingungen kann eine zeitlich gestaffelte definierte Feuchtigkeitsaufnahme und schnelle Trocknung (typisch für Mineralputze) genauso funktionieren wie eine starke Wasserabweisung bei großer Wasserdampfdiffusionsfähigkeit (typisch für Kunstharzputze). Bei der Sanierung heißt es dann, bei dem vorgefundenen System zu bleiben oder, wenn man das nicht will, den alten Putzaufbau ganz zu entfernen. Das gilt auch für die Riss-Sanierung.

Sind Risse vorhanden, lautet die erste Frage: Ist der Schlagregenschutz beeinträchtigt, bewirken tiefreichende Risse einen Feuchtigkeitseintrag in tiefe Schichten des Putzaufbaus oder in das Mauerwerk? Wenn das der Fall ist, lässt sich ein Entstehungsmechanismus der Risse identifizieren? Eine isolierte Betrachtung der Risse allein führt nicht zum Ziel, weil es immer einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang mit den möglichen Faktoren Wandbaustoff, Unterputz, Oberputz und Beschichtung gibt.

Alterserscheinungen und andere Probleme: Für alles gibt es eine Lösung

Abblätternde Beschichtung

Risse führen Feuchtigkeit in den Untergrund

Abblätternde Beschichtung

Abgenutzter und schadhafter Putz hat viele Gesichter. Zu steifer Putz, der ein anderes Dehnverhalten hat als der Untergrund und darum abplatzt (oben), Risse, die Feuchtigkeit in den Untergrund führen (mitte), eine Beschichtung, die offensichtlich materialtechnisch nicht zum Untergrund passt und sich darum löst – Probleme, die sich mit der Zeit deutlich zeigen, die aber dauerhaft gelöst werden können.

Für die Sanierung von Rissen geben zwei Merkblätter umfangreiche Hinweise für fachgerechte Vorbereitung und Ausführung. Zum einen ist es das WTA-Merkblatt 2-4-08/D „Beurteilung und Instandsetzung gerissener Putze an Fassaden“, zum anderen das BFS-Merkblatt 19 „Risse in Außenputzen, Beschichtungen und Armierungen“. Beide Merkblätter decken die Sanierung von putzbedingten und untergrundbedingten Rissen ab. Die Instandsetzung von (meist gravierenderen) Einzelrissen und von mehr oder weniger großflächig verteilten Rissen wird darin im Detail beschrieben. Dabei werden drei grundlegende Prinzipien angewendet:

  • Der Rissverschluss. Er kann bei oberflächlichen Rissen leicht mit einer geeigneten, füllenden Beschichtung erreicht werden. Größere Risse werden starr nach definierten Verfahren mit Putzmörtel verfüllt, oder sie werden alternativ flexibel verfüllt.
  • Die Rissüberbrückung. Auch hier gibt es, je nach Tiefe und Charakter der Risse, einerseits rissüberbrückende Beschichtungssysteme für die "leichteren Fälle" und rissüberbrückende Putzsysteme, bei größeren Einzelrissen mit einer Abkopplung vom gerissenen Untergrund. Ein besonderer Fall von Überbrückung ist ein aufgesetztes WDVS.
  • Die Umwandlung in eine Dehnungsfuge. Größere, weiter in begrenztem Umfang dynamische Risse können flexibel verfüllt und damit de facto in eine nachträgliche Dehnungsfuge umgewandelt werden.

Stichwort Dynamik: Die Prüfung der Riss-Ursache und einer eventuell weiterbestehenden Dynamik ist vor jeder Sanierung obligatorisch. Die Anwendung der Sanierungsmethoden nach WTA bzw. BFS steht und fällt mit der richtigen Diagnose und Verfahrenswahl – und mit der Auswahl des richtigen Materials zur Sanierung. Sakret deckt mit seinem umfangreichen Putz- und Beschichtungsprogramm aller Bindemittelklassen alle Verfahren der Riss-Sanierung ab, die in den genannten Merkblättern beschrieben werden.

Nach der Sanierung

Im Anschluss an eine Sanierung sollte zum einen die bauphysikalische Funktionsfähigkeit dauerhaft wiederhergestellt sein, zum anderen eine ansprechende ästhetische Qualität sichtbar werden. Wie wichtig das gute Aussehen einer Fassade nach der Sanierung in ihrer öffentlichen Wirkung und für den Auftraggeber ist, kann kaum überschätzt werden. Bauphysikalische Korrektheit ist nicht unmittelbar erkennbar, die optische Erscheinung einer Fassade ist es allemal.

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift "Malerblatt" veröffentlicht (Heft 7/2013).

www.malerblatt.de

SAKRET hat eines der umfangreichsten Fassaden-Programme im Markt aufgebaut und in seiner Forschungs- und Entwicklungsarbeit unter anderem einen Schwerpunkt auf das Arbeitsfeld „Altfassade“ gelegt. Zur Arbeit im Bestand allgemein und auch zur Thematik Risse informiert die 86 Seiten starke technikorientierte Broschüre „Hochbau: Bestandsbauten. Sanieren, Renovieren, Modernisieren“. Bei den Sakret-Partnern in Deutschland und im Baustofffachhandel ist auch die Broschüre „Altfassade KOMPAKT: Risse sanieren“ erhältlich.

Download: Broschüre „SanReMo“ - Sanieren, Renovieren, Modernisieren Download: Broschüre „Altfassade KOMPAKT“ - Risse sanieren
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