Echter Härtefall – der Sockel von WDVS-Fassaden

Fachgerechte Planung und Ausführung von Sockeln bei WDVS-Fassaden

ausbau + fassade 1/2011

Eine Fassade mit Wärmedämm-Verbundsystem muss je nach konstruktiver Auslegung und Exposition des Gebäudes für definierte Lastfälle ausgelegt sein. Ein besonders belasteter Bereich ist immer der Sockel des Gebäudes. Spritzwasser und anstehendes Erdreich sind nur die wichtigsten einer ganzen Reihe von Belastungen, die diesem Fassadensegment ein hartes Leben bescheren.

Über das Belastungsprofil des Sockelbereichs, die Auswahl des richtigen Materials und eine konstruktiv saubere Auslegung, z.B. als Sockel mit Sockelschiene und Anschluss an den Putz oder als flächenbündiger Sockel mit Einbindung in das Erdreich, schreibt Dr. Klaus Hoffmann, bei der SAKRET GmbH zuständig für die Entwicklung bauchemischer Produkte, in Heft 1/2011 des Fachmagazins „ausbau+fassade“.

Sockelbereiche von Wärmedämm-Verbundsystemen sind die Zonen der Fassade, die aus verschiedenen Gründen den stärksten Belastungen der gesamten gedämmten Fläche ausgesetzt sind. Aus diesem Grund war und ist immer noch die Schadenshäufigkeit bemerkenswert. Durch sorgfältige Planung und Ausführung lässt sich das Schadensrisiko allerdings immens reduzieren.

Bei der Planung muss ein Grundsatz generell beachtet werden: Das genaue Niveau des späteren Geländes muss vor Ausführung der Dämmarbeiten allen beteiligten Parteien bekannt sein. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Sockel seinen späteren Aufgaben gewachsen ist und dass keine störenden und unschönen Details zum Vorschein kommen, die ursprünglich für den unterirdischen Bereich vorgesehen waren.

Belastungen

Typisches Schadensbild, resultierend aus falschem Geländeniveau. Das genaue Niveau des späteren Geländes muss vor Ausführung der Dämmarbeiten allen beteiligten Parteien bekannt sein.

Unter dem Sockel versteht man den Fassadenbereich, der von der beregneten Fläche, klassisch dem Erdboden und der Fassadendämmung, begrenzt ist. Die Höhe des Sockels sollte mindestens 30 cm betragen, auf jeden Fall die Höhe der Spritzwasserzone überschreiten. Der größte Beitrag zur Beanspruchung des Sockels resultiert selbstverständlich aus der erhöhten Wasserbelastung der Fläche. Die Feuchtigkeit resultiert aus dem Spritzwasser bei Regen, schlimmer noch aus dem Schmelzwasser bei Schnee und einem weiteren Faktor, der aufsteigenden Feuchte aus dem Untergrund, die bei nicht sachgemäßer Ausbildung der Konstruktion kapillar aus dem Untergrund in den Putz eindringt, aufsteigt und oberflächennah Kalk- oder Salzausblühungen hinterlässt.

In Verbindung mit Frost oder sogar Streusalz werden ungeeignete Putze in kurzer Zeit zerstört. Zu diesen Faktoren kommt die erhöhte mechanische Belastung durch Stöße oder schleifende Beanspruchung dazu. Nicht vernachlässigt werden darf die Beanspruchung der Fläche in der Bauphase. Bei der Fertigstellung der Außenanlagen und dem Anschluss an das Bauwerk hat der Sockel neben unvermeidbaren Stößen auch noch den Druck durch die Verdichtung des angefüllten Bodens oder des Kiesbettes der Sickerschicht zu ertragen. Diese Umstände sorgen dafür, dass der Aufbau der Sockeldämmung abweichend von der Fassadendämmung ausgeführt werden muss, zumal Eigenschaften, die in der Fassade von Bedeutung sind, in dem schmalen Streifen in Bodennähe weniger Beachtung finden müssen.

Eine dampfdiffusionsfähige Konstruktion ist für das WDVS insgesamt wünschenswert, im Sockelbereich aber zu vernachlässigen. Auch Schallschutz beziehungsweise Brandschutz ist für den Sockelaufbau nicht ausschlaggebend. Deswegen ist dieser Bereich auch nicht Teil der Bauaufsichtlichen Zulassungen für Wärmedämm-Verbundsysteme. In der klassischen Putzweise lange vergangener Jahre wurden diese Bedingungen dadurch berücksichtigt, dass ein Sockel- oder Kelleraußenwandputz generell mit einem Zementputz mit hoher Festigkeit ausgeführt wurde. Dieser Aufbau ergibt einen Putz, der den Bedingungen im Spritzwasserbereich lange Zeit standhielt, aber vom Untergrund eine entsprechende Festigkeit verlangte.

Aufsteigende Feuchte und die Wahl eines falschen Putzes haben hier zum Schaden geführt.

Dies war solange kein Problem bis die Bauweise sich hin zu energiesparenden Außenwänden mit immer höherer Wärmedämmleistung hin entwickelte. Schon mit dem ersten Auftauchen von wärmedämmenden Steinen mit geringerer Roh - dichte und Festigkeit traten die ersten Probleme mit den harten Zementputzen auf. Auf Wärmedämm-Verbundsystemen kommt ein solcher Aufbau überhaupt nicht in Frage. Der weiche, elastische Untergrund in Verbindung mit der harten Zementputzschale wäre eine Garantie für Risse und damit für ein Versagen der Konstruktion. Die Lösung: Den korrekten Aufbau des Sockels eines Wärmedämm-Verbundsystems zeigen die beiden folgenden Detailzeichnungen.

Dämmplatten

Als Dämmplatte wird ein Material verwendet, das eine erhöhte Druckfestigkeit und eine niedrige Wasseraufnahme – verglichen mit Fassadendämmstoffen – aufweist. Üblicherweise werden Dämmplatten mit einer Eignung im Perimeterbereich verwendet. Es sind aber neben diesen zugelassenen Materialien noch Platten auf dem Markt, die als reine Sockelplatte eine nur geringe Erdeinbindung erlauben. Die beiden Materialarten dürfen nicht verwechselt werden. Reine Sockelplatten weisen zwar für den Spritzwasserbereich und auch für die Verwendung bis einige Zentimeter unter das Bodenniveau ausreichend niedrige Wasseraufnahmefähigkeiten auf, widerstehen aber nicht mehr in größeren Tiefen.

Dämmplatten, die als Automatenware nicht aus Dämmstoffblocks geschnitten werden, sondern direkt in Form geschäumt werden, können eine glatte Oberfläche aufweisen. Dies erschwert die Beschichtung mit Armierungsmörtel. Die Platten sollten vor dem Überarbeiten aufgeraut werden (Sägeblatt, Stahlbürste oder Ähnliches). Setzt man die Sockeldämmplatten nicht auf eine vorhandene Perimeterdämmung auf, wird die untere Kante abgeschrägt (siehe Detailzeichnung: Sockel flächenbündig, geringe Einbindung ins Erdreich). Dies hat den Sinn, dass nachfolgende Beschichtungen leichter mit gleichmäßiger Dicke auf - gebracht werden können ohne zweimal um einen rechten Winkel herum arbeiten zu müssen (siehe Detailzeichnung: Sockel mit Sockelschiene und Anschluss an Putz). Die nachfolgenden Anfüllarbeiten werden durch die abgeschrägte untere Kante ebenfalls erleichtert und Hohlräume werden vermieden.

Befestigung

Die feuchten Bereiche zeigen die fehlende Abdichtung an.

Der Untergrund trägt bis in 15 cm Höhe über dem Erdboden die absolut notwendige Bauwerksabdichtung. Diese Abdichtung besteht aus bituminösen Werkstoffen wie Schweißbahnen oder einer Dickbeschichtung oder alternativ aus einer flexiblen mineralischen Dichtungsschlämme. Bitumen geht mit mineralischen Klebemörteln keine dauerhafte Verbindung ein. Auf solchen Flächen wird die Dämmplatte mittels spezieller Materialien auf bituminöser oder Dispersionsbasis geklebt. Der Kleber wird unterhalb des Bodenniveaus in sechs bis acht Batzen auf die Platte gebracht, oberhalb des Erdniveaus erfolgt die Verklebung in der gewohnten Wulst-Punkt-Methode oder vollflächig im Kammbett.

Die Befestigung der Dämmplatten zusätzlich durch Dübel ist innerhalb der Bauwerksabdichtung nicht möglich. Empfehlenswert ist eine Reihe Dübel oberhalb der Höhe von 15 cm über Erdniveau zu setzen. Dadurch wird nicht nur die Haftung der Platte sichergestellt, sondern auch die Platte gegen die Belastungen beim nachträglichen Anfüllen gesichert. Der Druck durch die Verdichtung auf den unteren Teil der Platten bewirkt einen Zug auf die Verklebung des oberen Randes, welcher durch die Dübel leicht abgefangen werden kann. So wird ein Riss entlang der Plattenstöße wirkungsvoll vermieden.

Armierung

Nach dem Erhärten des Klebers wird die Dämmplatte beschichtet. Dazu dient der systemzugehörige Klebe- und Armierungsmörtel. Er wird wie auf der Fassadenfläche in der vom System vorgegebenen Dicke aufgebracht und mit dem entsprechenden Gewebe armiert. Ist eine Perimeterdämmung vorhanden, zieht man den Armierungsmörtel bis etwas über die Plattengrenze auf die Perimeterplatte hinunter, bei abgeschrägter Plattenkante endet die Armierungslage am Übergang auf die Bauwerksabdichtung. Bei erwarteter höherer mechanischer Belastung kann unter das Gewebe ein Panzergewebe eingebaut werden.

Hier hat Frost zum Schaden geführt.

Da im erdberührten Bereich mit Bodenfeuchte oder sogar stauender Nässe zu rechnen ist, wird die Armierungslage mittels einer Abdichtung geschützt. Diese Schicht wird aus einer hoch kunststoffmodifizierten, zementhaltigen Dichtungsschlämme oder einem entsprechenden zum System gehörenden Masse hergestellt. Die Abdichtung wird entweder von der Bauwerksabdichtung oder von, wenn vorhanden, der Perimeterdämmung bis kurz über das Geländeniveau auf gezogen, der Armierungsmörtel muss vollständig geschützt sein. Diese Abdichtung ersetzt nicht die Bauwerksabdichtung! Sie verhindert das Eindringen und Aufsteigen von Bodenfeuchte in die Putzlage des gedämmten Sockels und unterbindet eventuelle Probleme mit Ausblühungen oder Frostschäden. Um den Einbau bei der anschließenden Verfüllung zu schützen, wird eine Noppenbahn, am besten vlieskaschiert, auf die Abdichtung eingebaut.

Oberputze beziehungsweise Oberflächengestaltung

Als Oberputze im Sockel kommen verschiedene Materialarten zum Einsatz. Allen ist gemeinsam, dass sie den erhöhten Ansprüchen an Wasseraufnahme und mechanische Stabilität gerecht werden müssen. Folgende Ausführungen haben sich bewährt:

  • Mineralischer Filzputz mit erhöhter Wasserabweisung, der speziell für den Einsatz im Spritzwasserbereich frei - gegeben ist, mit einem Anstrich aus einer wasserabweisenden Farbe, meist einer Silikonharzfarbe.
  • Kunstharzgebundene Putze mit sehr geringer Wasseraufnahme wie Silikonharzputze. Diese Variante kommt meist dann zum Tragen, wenn aus architektonischen Gründen die Fassade ohne einen optisch abgesetzten Sockel ausgeführt werden soll. Allerdings ist dies auf Grund der erhöhten Verunreinigung im Spritzwasserbereich keine empfehlenswerte Planung.
  • Buntsteinputze sind als ein Sonderfall der Kunstharzputze ebenfalls eine geeignete Beschichtung im Sockel. Die heutigen lösemittelfreien Produkte sind nicht mehr mit den Beschichtungen von vor 30 Jahren zu vergleichen. Sie wurden zu einem dauerhaften, optisch ansprechenden Oberputz für Sockelflächen weiterentwickelt.
  • Die Belegung der Fläche mit keramischem Material ist eine weitere empfehlenswerte Variante. Eine zum Beispiel mit Klinkerriemchen ausgeführte Sockelfläche weist eine sehr hohe Stoßfestigkeit auf und ist leicht zu reinigen. Durch die Vielzahl der zur Auswahl stehenden Farben und Strukturen ist ein großer Gestaltungsspielraum vorhanden, allerdings sollten Platten mit nicht zu stark strukturierter Oberfläche verwendet werden, einerseits um die Verarbeitung der Fugenmörtel zu erleichtern, andererseits um die Verschmutzungsneigung zu reduzieren. Alternativen zu Klinkermaterialien sind Fliesen oder Natursteinplatten. Die Verlegematerialien wie Flexkleber und Fugenmörtel sollten wegen den speziellen Anforderungen auf einem vergleichsweise weichen und flexiblen Untergrund in einem Wärmedämm-Verbundsystem geprüft und zugelassen sein.

Anschluss Sockeldämmung zur Fassadendämmung

Sockel mit Sockelschiene und Anschluss an Putz

Sockel flächenbündig, geringe Einbindung ins Erdreich

Für den Anschluss der Sockeldämmung an die Fassadendämmung kann unter zwei Alternativen gewählt werden. Die Sockeldämmung kann flächengleich in die Fassadendämmung übergehen (siehe Detailzeichnung: Sockel flächenbündig, geringe Einbindung ins Erdreich) oder der Sockel wird rückspringend ausgeführt (siehe Detailzeichnung: Sockel mit Sockelschiene und Anschluss an Putz). Bei einem übergangslosen Wechsel der Dämmplatten auf die Fassadendämmung wird die Armierungsschicht in die Fassade einheitlich weitergeführt, weitere Maßnahmen sind nicht notwendig. Sollten die Oberputze eine deutlich unterschiedliche Dicke, wie im Fall von Kratzputz, aufweisen, kann es sinnvoll sein, eine Putzabschlussschiene auf die fertige Armierungslage aufzusetzen. Wird der Sockel rückspringend ausgeführt, kommt eine Sockelschiene zum Einsatz.

Die Sockeldämmung wird mit Hilfe eines Kompribandes an die Schiene schlagregendicht angeschlossen. Sinnvoll ist hier der Einsatz einer Schiene aus PVC oder eines Einsteckprofils. Das bisher übliche Trogprofil aus Aluminium oder Edelstahl bildet durch die extrem gute Wärmeleitfähigkeit des Metalls eine deutliche Wärmebrücke, die durch die korrekte Auswahl des Materials leicht vermieden werden kann. Bildet das Trogprofil aber den unteren Abschluss des Wärmedämm-Verbundsystems und ist die Sockelschiene nicht beiderseits von Dämmstoff umgeben, spielt das keine Rolle und Metallschienen können wie gewohnt verwendet werden. Bei dickschichtigen Oberputzen wird das Sockelprofil zusätzlich um ein Einhängeprofil mit den entsprechenden Maßen ergänzt.

Fazit

Inzwischen gibt es über 50 Jahre lang Erfahrungen im Aufbau und in der Dauerhaftig­keit von Wärmedämm-Verbundsystemen, es gilt aber immer noch: Der Aufbau von Dämmungen im Spritzwasserbereich stellt hohe Anforderungen an alle beteiligten Parteien, sowohl in der Ausführung, der Planung und der Herstellung der Produkte. Insbesondere die Abstimmung zwischen diesen Akteuren ist ausschlaggebend für den Erfolg der Baumaßnahme. Werden aber die technischen Bedingungen beachtet und sorgfältig umgesetzt, ist das Risiko »Sockelschäden« wesentlich reduziert und der untere Sockel wird dauerhaft zum »würdigen« Abschluss einer schönen Fassade.

Diese und weitere Detailzeichnungen zum Thema Sockel / WDVS finden Sie auch unter:

Konstruktionsdetails


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift "ausbau + fassade" veröffentlicht (Heft 1/2011).

www.ausbauundfassade.de
nach oben
Copyright © 2020 SAKRET