Am Markt vorbei?

Interview mit Peter Aping

malerblatt 6/2010

Anlass für das Interview mit dem „Malerblatt“ ist die weithin beobachtbare Konsequenz­losigkeit der Baubranche gegenüber dem dominierenden SanReMo-Markt. Vor allem, wenn in 2008 schon 78 % aller Wohnbauleistungen, Tätigkeiten im Baubestand waren. Warum und welche Konsequenzen SAKRET aus dieser Marktrealität gezogen hat und weiterhin ziehen wird, ist Thema des Interviews.

Peter Aping, Geschäftsführer der SAKRET Europa, über Missverständnisse und blockierte Chancen im Großthema Sanierung und Modernisierung des Baubestands. Das Malerblatt sprach mit ihm über Auswirkungen auf die Baubranche und die Möglichkeiten der Änderung.

Herr Aping, ist das Thema der Sanierung und Modernisierung - auf die Jahre betrachtet - nicht ein schon ziemlich oft gehörter Weckruf an die Baugemeinde?

Da kann ich getrost Nein sagen. Wenn Sie dagegen von einem konsequent überhörten Weckruf sprechen, dann stimme ich zu. Ohne Sie jetzt groß mit Zahlen strapazieren zu wollen - das Bundesamt für Bauweisen und Raumordnung hat im November 2009 folgendes festgehalten: In 2008 waren 78 % aller Wohnbauleistungen Maßnahmen an bestehenden Gebäuden. Im Wirtschaftsbau dagegen war und ist Sendepause wegen der bekannten Turbulenzen der Finanzmärkte. Und ohne die Ende 2008 gestarteten Konjunkturprogramme wäre auch der Kommunalbau in den Auftragslisten des Handwerks unsichtbar geblieben. Also mehr als gute Gründe, um sich mit der dominierenden Marktrealität der Sanierungs- und Modernisierungsprojekte auseinanderzusetzen.

Peter Aping

Welche Lehren sollte die Baubranche nach ihrer Ansicht daraus ziehen? Wenn man dies überhaupt so allgemein fragen kann.

Vereinfacht gesagt: Das Altbaugeschäft funktioniert anders als das Neubaugeschäft - und zwar für alle Baubeteiligten. Für den Neubau ist es typisch, dass es eine klare Trennung zwischen der Planer- und der Gewerkeseite gibt. Der springende Punkt aber liegt in der exakt planbaren Abfolge von Tätigkeiten, die direkt aufeinander aufbauen. Das hat allerdings zu einer Baupraxis geführt, in der alle damit befassten Berufsgruppen sich auf eine Mischung aus Silodenke und Tunnelblick eingerichtet haben. Und diese Jeder-für-sich-und-gegen-alle-anderen-Mentalität greift beim Thema Bestandsbau ins Leere.

Wenn ich Sie richtig verstehe: Die Voraussetzungen und die Abläufe sind bei Altbauprojekten eine ganze Ecke komplizierter als im Neubau?

Es gibt selbst bei jüngeren Häusern oft keine Baudokumentation mehr - und wenn es eine gibt, muss diese nicht unbedingt mit der Bauausführung übereinstimmen. Sie betreten damit unsicheren Boden, der - bevor es an die Planung und Ausführung geht - erst einmal eine sorgfältige Bauzustandsbewertung fordert. Deshalb: Ohne Gewerkeöffnung und "standesübergreifende" Zusammenarbeit zwischen Fachplaner und Handwerk kann in der Regel für den Auftraggeber nichts dauerhaft Gutes herauskommen. Wir beide sind ja in dieser Branche schon ein paar Jahre mit dabei und haben bestimmte "fehlgeleitete" Sanierungszyklen miterlebt, die dann in kurzer Zeit in die berühmt-berüchtigte Sanierung der Sanierung gemündet sind. Und was wir uns heute alle nicht mehr leisten können, ist am Bau "Vormüll" produzieren, der mit der Abrissbirne entsorgt wird.

Gut, soweit für mich nachvollziehbar. Wo aber stehen in dem Ganzen die Baustoffindustrie und der Fachhandel? Was ist mit deren Verantwortung?

Wenn irgendwo zuerst dieser Umformungsprozess in Richtung Altbau und Immobilienbestand gestartet werden muss, dann bei der Industrie und dem Handel. Dort liegen auch die meisten Versäumnisse der Vergangenheit, da man zu gerne an die zyklisch unter Dampf stehende Neubau-Lokomotive geglaubt hat. Auf die wird man in Deutschland künftig vergeblich hoffen, denn ich bezweifle, dass sich dort noch weitere "Neue Bundesländer" finden werden.

Können Sie das genauer beschreiben: Wo sehen sie die Impulse der Industrie und des Handels? Und wie sollen die sich auf das Handwerk auswirken?

Ein gutes Beispiel ist die Fassade. An ihr ist sicher zu Recht der mangelnde Wärmeschutz das große Thema im Altbaubereich. Und wärmetechnisch gesprochen stammt ja interessanterweise das größte Sanierungsvolumen aus den Anfangsjahren des deutschen Wirtschaftswunders. Heute stürzen sich alle auf die sogenannte energetische Sanierung, als wäre das der einzige Schwachpunkt der Fassade. Dabei hat dieses Bauteil, wenn es in die Jahre kommt, noch mit ganz anderen Problemzonen zu kämpfen: von der horizontalen bzw. vertikalen Durchfeuchtung des Wandquerschnitts, der Rissbildung in Putzoberflächen, dem Algenbefall bis hin zu den kritischen Stellen von Sichtmauerwerksfassaden. Was ich damit sagen möchte: Aus Sicht des Bestandsbaus müssen Industrie wie Handel dem Handwerk so etwas wie spezielle Objektsortimente formulieren und anbieten. Die müssen dann alles umfassen, was zwingend z. B. zur einer kompletten Kellersanierung gehört. Oder zur Renovierung und Modernisierung von Innenräumen. Mit so einem Angebot im Rücken ist für das Handwerk mehr getan, als mit den üblichen Appellen, dass es sein Marketing verbessern soll. Mit halbleeren Händen geht das eher schlecht.

Wie schätzen Sie die Rolle des Handwerks im Sanierungs- und Modernisierungsmarkt ein? Was muss es, was soll es anders machen?

Wir haben uns Ende 2006 ausführlich mit dem Verhältnis zwischen Baustoffindustrie und Fachhandwerk auseinandergesetzt. Dabei sind wir zu ähnlichen Einschätzungen gekommen wie jetzt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mit seiner groß angelegten, bundesweiten Kampagne zur Imageverbesserung des Handwerks. Die Frage bleibt, ob es richtig ist, den vermeintlichen oder tatsächlichen Imagemangel nur beim Handwerk zu suchen. Oder steht damit nicht das Bauen insgesamt mit all seinen Akteuren in der Qualitätskritik? Ich jedenfalls glaube, solange das Handwerk - von wem auch immer - in die Ecke des "Nur-Ausführers" gedrängt wird, der auf die Schnelle Quadratmeter zu produzieren hat, läuft etwas grundsätzlich falsch mit der Qualität am Bau. Für mich kann ein mittelständischer Markenhersteller wie SAKRET einen Investor oder Bauherrn nur durch die gute und faire Zusammenarbeit mit dem Bauhandwerk überzeugen. Das war 2007 auch der Hauptgrund für die SAKRET-Kampagne "Einer muss es können. Das Bauhandwerk".

Dem kann ich natürlich zustimmen. Dennoch: zum Schluss wären ein paar Worte speziell zum Malerhandwerk interessant. Wie gut sehen Sie es für den SanReMo-Markt gerüstet?

Als Gast des Malerblatts könnte man ja zu Gefälligkeiten neigen. Aber nein: Das Malerhandwerk hat nicht umsonst den Ruf des "Modernisierungsgeneralisten", der in verschiedenen Disziplinen zu Hause ist - ob Fassade, Innenraum, Trockenbau, Bodenbeläge oder Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen. Dieses gewerkeübergreifende Arbeiten gibt dem Maler auch in den Augen des Bauherrn eine starke Position. Darin sind sich die Gewerke Maler und Stuckateur recht ähnlich. Und ihr gemeinsames Auftreten auf einer der wichtigsten Branchenmessen wie jetzt wieder auf der "Farbe - Ausbau und Fassade" hat doch sicher mehr als nur symbolischen Charakter. Kurz gesprochen: Beide Gewerke sind für SAKRET äußerst wichtig.

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift "Malerblatt" veröffentlicht (Heft 6/2010).

www.malerblatt.de
nach oben
Copyright © 2020 SAKRET